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Esther

Das Leben ist schön und lebenswert

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Esther

Polyrama Museum für Lebensgeschichten . Du hörst eine Lebensgeschichte aus dem Archiv von Polyrama . Poly rama sammelt Lebensgeschichten von Menschen unterschiedlicher Hintergründe. Sie teilen persönliche Erfahrungen einer vielstimmigen Gesellschaft . Jedes Jahr nimmt Polyrama ein Thema in den Fokus . Die Erzählung , die du jetzt hörst , ist 2021 in Berlin entstanden und beschäftigt sich mit dem Thema Lernen . Weitere Geschichten und Bildmaterial findest du bei Poly rama.de .

Die Urheberrechte liegen bei Polyrama und den Erzähler*innen selbst . Für Nutzungs anfragen kannst du uns gerne kontaktieren .

Guten Tag , mein Name ist Esther , ich bin aus Israel , bin 67 Jahre alt , wohne in Berlin. Bin alleinstehend, nach einer Trennung von meinem Mann. Mutter dreier Kinder und Großmutter zweier Kinder. Von Beruf bin ich Lehrerin . Zur Zeit ohne Erwerb und betreue ausländische Mädchen , die bei mir im Hause wohnen. Nachdem meine Kinder flügge waren und mein Mann abhanden gekommen ist , betreue ich eben Schüler und Studenten aus dem Ausland und so ist das Haus voll und immer was zu tun und schön und so kann ich etwas zurückgeben , was meine Schwiegereltern mir gegeben haben, als ich nach Deutschland vor 49 Jahr en gekommen oder 45 Jahren gekommen bin. Und es erfüllt mich, es ist gut und ich fühle mich wohl in meiner Haut . Also ich bin in Israel geboren , in der Mitte der 50er Jahre, 54 Baujahr als zuletzt geborene von vier Geschwistern . Also wir sind vier Kinder insgesamt . Meine Eltern sind aus Tunesien nach Israel emigriert worden 19 49. Wir sind in die Flughafenstadt gezogen, nachdem im Süden - nähe Gaza - tägliche Angriffe waren; Hat mein Großvater beschlossen dahin zu gehen , in die Mitte des Staats Israel zu gehen . Da wo weniger, Fahddainen hieß es früher, T erroristen nachts kommen. Und da , wo eben Broterwerb möglich war . Der Flughafen wurde gerade geöffnet , dort gab es Arbeit in Fülle und Hülle . Und so bin ich in Lod Flughafens tadt gelandet .

Meine Mutter war Beamtin und hat im Kindergarten gearbeitet , so dass wir aus dem jüdisch- arabischen Ghetto in eine neue Siedlung gekommen sind. Und das hatte zur Folge , dass das ein Konglomerat von mindestens 20 Nationen war , sowas wie von indisch , polnisch , rumänisch , persisch , afghanisch , indisch habe ich schon gesagt , marokkanisch , tunesisch um uns haben . Und wir haben profitiert . Wir haben viele Sprachen gehört , alle Schimpfwörter in allen Sprachen schon intubiert . Und alle Lebensmittel von den Völkern kennengelernt und es hat uns sehr weltoffen meiner Meinung nach gemacht .

Es gab früher keine rassistische Vorurteile andershäutigen gegenüber und anderen Völkern gegenüber . Und es begleitet mich bis heute . Bis heute kenne ich indische Lieder , indische Wörter , weil das meine beste Freundin indisch war . Indisches Essen habe ich noch gesagt , indische Filme habe ich gesagt , Musik und ich kann sogar Wörter von Musik . Und das hat mir die Empfänglichkeit indischer Studenten - und zurzeit bin ich voll bevölkert mit drei indische Mädchen - und es ist sehr schön , weil man eben die Mentalität schon kennt .

Auch wenn sie nicht jüdisch sind , gibt es doch sehr viele Parallelen , sehr viele Parallelen , dass man das Essen kennt , dass man den Habitus kennt , dass man Wörter kennt .

Ich bin zu Grundschule gegangen . Ich hatte eine ganz tolle Lehrerin , Mattie , die uns leider verließ . Danach hatte ich einen super Lehrer aus Ungarn , der mich sehr geprägt hatte . Und eine Lehrerin Daníel , die uns als erste die Shoah erzählt hatte aus Sicht eines Kindes . Danach hatte ich den Lehrer Mordechai Reis, der berühmte. Seine ganze Familie ist vernichtet worden . Der ist der einzige , der verblieben ist , weil er zeitig nach Israel ging.

Und das sind die drei Lehrer oder die vier Lehrer , die mich am meisten geprägt hatten in der Grundschulzeit , denn sie hatten sehr viel mit Kunst zu tun , sehr viel mit Psychologie , Soziologie und einfach die Bereitschaft , aus dem Kind mehr zu holen , als nur drin ist . Und ich sage, d as sind die Lehrer , die Erziehung nicht betrachtet haben als: Ich schöpfe einen Eimer Wasser und fülle das Kind mit Wissen , sondern ich zünde bei ihm ein Feuer .

Nicht erwähnt habe ich meine Musiklehrerin , die mich sehr geprägt hat , denn ich hatte früher als Solistin in dem Schulo rchester Trompete gespielt und gesungen . Wenn ich keine Trompete gespielt habe natürlich . Und sie hat mich sehr geprägt , in musikalischer Hinsicht . Und das sind die fünf Lehrer , die mich in der Grundschulzeit geprägt haben .

Wir kamen dann zu den Pfadfindern , wo ich sehr engagiert war und das Ziel der Pfadfinder in Israel ist , an die Grenze zu gehen . Und heute sagt man Settlement, Besetzer , Landbesetzer . Wir haben einfach an un bevölkerten Gebieten in Israel, an der Grenze, neue Kibbuzim gegründet .

Ich bin mit meine Freunde aus der Pfadfinderzeit, wir waren 23 Leute, in ein Kibbuz gegangen . Wir haben mit Speziellem gegründet , wo heute vom Toten Meer die Produkte herkommen. Das ist der Kibbuz , der das gegründet hat. In der in der Gymnasien Zeit haben mich ein paar Lehrer geprägt , aber weniger . Man hatte nicht dieselbe intensive Beziehung wie in acht Jahren Grundschule . Und einen Tag nach dem Abitur bin ich nach Jerusalem mit meinem Onkel aus Frankreich gefahren und habe dabei meinen Mann kennen gelernt, in der Railway Station in Jerusalem .

Er hörte endlich mal eine französisch sprechende Europäerin , meinte er , und keine Amerikaner . Sonst hörte man nur amerikanisches Englisch und sagte: Endlich mal eine aus Europa . Vielleicht kann man mit ihr noch reden . Aber Pustekuchen . Ich kam nicht aus Europa , sondern ich sprach ja Hebräisch und Englisch und Französisch , was er nicht konnte .

Und er war ganz raffiniert und stieg in das selbe Abteil wie ich und saß bei mir gegenüber , schaute mich an , während er den Spiegel las und guckte immer. Bis mein Onkel und Tante einschliefen , weil es so heiß war . Dann habe ich ihm ein Zeichen gegeben, was ist nun? Du g uckst mich immer mal an, dann spricht doch mal , wenn du was zu sagen hast. Und da kam er und dann haben wir miteinander gesprochen und festgestellt , dass wir sehr viel Gemeinsames zu erzählen haben .

Und am nächsten Tag haben wir uns getroffen in Jerusalem und Tel Aviv und am übernächsten Tag flog er nach D eutschland . Wir hatten Briefkontakt und die Briefe wurden immer länger und immer dicker , sodass wir immer doppelte Frankierung bezahlen mussten mit der Zeit und dann haben wir gesagt: So, Zeit , dass wir uns sehen! Und er kam nach Israel , hat mich besucht i m Kibbuz und nach zweieinhalb Jahren ist er ein Jahr nach Israel gekommen , war mit mir im Kibbuz fast ein Jahr , hat versucht , einen Konvertierungskurs zu machen , was ihm nicht gelungen ist , weil er nicht ein ganzes Jahr war .

Und dann war klar: Entweder fahre ich mit ihm nach Deutschland . Wir machen eine Konvertierung da, heiraten da. Und wenn das Semester beginnt, beginne ich in Deutschland zu studieren oder warte ich eben bis Oktober , bis ich in Israel studiere. Aber von Mai , als ich entlassen worden bin von der Armee, bis Oktober wollte ich nicht warten. Und ich dachte , es wäre gut , auch seine Familie kennenzulernen und seine Umgebung . Und bin eben nach Deutschland gekommen .

Meine Eltern waren am Anfang traurig , aber sie meinten: Ein Kind, das man liebt , lässt man gehen , denn es kommt immer wieder . Und so war es auch . Ich bin dann jedes Jahr zurückgekehrt nach Israel, mit der Hoffnung nach zwei Jahren oder drei Jahren zurück nach Israel im Kibbuz einzuwandern , wie der ursprüngliche Plan war . Aber mein Mann hat sich leider anders entschieden , ohne mich zu fragen und hat dreimal beim Bund sich verpflichtet. Dreimal ohne zu fragen .

Und beim dritten Mal habe ich gesagt: O k , dann bleibe ich bis zur Pensionierung. Nach der Pensionierung kaufen wir eine Wohnung in Israel und so bleiben wir ein halbes Jahr in Deutschland , ein halbes Jahr in Israel , je nachdem , wie die Kinder sich entschieden haben . Aber als es soweit war , hat mein Mann sich leider verguckt in meine Kollegin und hat sich anders entschieden . Anstelle nach Nahen Osten zu gehen , ist er nach Ost-Berlin gegangen .

Immerhin blieb er der Richtung treu . Ok.

Also ich bin nach Deutschland gekommen und habe festgestellt , dass du ohne Schulausbildung und ohne dies bist du gar nichts . Und dann habe ich gesagt: Gut ok, bleibt dir nichts übrig als zu lernen . Mein Abitur wurde nicht anerkannt . Aus dem Grunde habe ich Berufsschule gemacht und eine Erzieherausbildung gemacht und dann habe ich aufgestockt .

Deutsch habe ich gelernt . Ich habe vergessen zu erwähnen , dass ich ein einhalb Jahre bei meinen Schwiegereltern gewohnt habe . Meine Schwiegereltern kamen aus dem Schwarzwald, vom Bodensee , so dass ich am Anfang an badisches Deutsch sprach . Dann bin ich nach Lüneburg gekommen .

Mein Mann , der dort gedient hatte und war im Goethe-Institut . Leider Gottes konnte ich sehr gut sprechen , aber natürlich nicht so gut schreiben und Grammatik ... Und bis heute beherrsche ich die grammatikalischen Grundsätze der deutschen Sprache noch nicht , denn ich kam sofort in der Mittelstufe und als ich der die das sagen müsste , habe ich einfach ganz schnell gesagt: Der, die, d as . Und dann habe ich allen Leute gesagt: Ihr könnt Deutsch . Ihr könnt entscheiden , ob es der, die oder das ist .

Mir ist es wurst und ich sprach so schnell , dass man das kaum hören konnte . Bloß beim Schreiben war es das Problem , dass mein Lehrer mir gesagt hatte: Esther, was soll ich dir geben ? Inhalt 1 , Deutsch 4, 5. Und dann habe gesagt: es obliegt Ihnen . Und dann habe ich ihm denselben Slogan gesagt: Ein Mensch , der gut sprechen kann , ist gut , aber ein Mensch , der gut Grammatik kann , muss verstehen , was ich meine . Also es liegt an Ihnen , nicht an mir , welche Note sie mir geben .

Und so habe ich mich durchgeschlagen , weil ich die Ideen waren gut , aber ich konnte das natürlich nicht so umsetzen , wie ich hätte sollen . Aber ich habe trotzdem eine staatliche Anerkennung bekommen und gute Zensuren bekommen und wurde dann Erzieherin . In einem Heim für schwer erziehbare Kinder unter anderem , wo ich das erste Mal attackiert worden bin mit dem Vorwurf: Du bist ein Jude! Dreckiger Jude! Von Kindern , die aus Berlin gekommen sind .

Und das war das erste Mal , dass ich in Deutschland plötzlich eine antisemitische Äußerung gehört habe , und der Heimleiter , der aus Berlin kam, sagte zu dem Jungen: Junge , weißt du überhaupt was du sagst? Da sagte er dann: Jesus war auch Jude! Halt du deine Schnauze , das will ich nicht in meinem Heim mehr hören . Und Schluss jetzt ! Und das war sehr rabiat , aber sehr gut . Und so habe ich begriffen , dass dieser schlummernde Antisemitismus eigentlich nicht reflektierender Antisemitismus ist , sondern ein Slogan ist. Die zweite Begegnung war , als ich in Tiegen war , war die Haushälterin meines Arbeitskollegen, eine Frau , die ihm gesagt hatte: Wir wussten, aber wir wussten nicht genau , was passiert . Aber wissen Sie wir wohnen nicht zu weit von Bergen-Belsen . Wir haben den Geruch gerochen .

Wir haben auch die Züge , die in Richtung Hannover gefahren sind, das Jaulen und das Heulen der Menschen gehört, aber nie begriffen warum! Wir dachten immer , das wäre Vieh, das so jault , weil sie so eingepfercht sind. Und dann haben wir gesagt: Wozu diese Verleugnungs- Mechanismus ? Was ist das denn ? Was ist dabei zu sagen: Wir konnten nichts machen . Es war nicht in unserer Hand . Ich möchte nicht in der Lage gewesen sein , denn ich weiß selber nicht , was ich hätte machen können überhaupt in der Zeit des zweiten Weltkriegs, denn i ch glaube , so viele Möglichkeit hatten die Leute nicht. Es waren natürlich sehr viele Leute, die einiges gemacht haben , die überdurchschnittlich couragiert waren und so weiter . Aber ich sage , ob ich selber die Courage gehabt hätte , jemand zu verstecken oder jemand zu helfen, in meinen vier Wänden? Jemand zu helfen bestimmt aber in meinen vier Wänden , das auch die Frage. Oder einfach dagegen mich zu sträuben . Das ist so eine Frage . Und das war das erste Mal, nach 10 Jahren in Deutschland , wo ich mir dann diese Frage gestellt habe . Ich wollte in den Anfangsjahren keine Kinder hier haben , sondern wollte zurück nach Israel und dort gebären .

Deshalb hatte ich acht Jahre keine Kinder und nach acht Jahren dann entschieden: So , nun seid ihr da . Mein blöder Mann hat sich entschieden , ohne mich zu fragen . Und da ich Ja zu ihm gesagt habe , sage ich auch B zum Aufenthalt und habe gesagt: Weißt du was? Er studiert auf Kosten der Bundeswehr, machte 12 Jahre . Dann studiert er Wasserwirtschaft und dann geht ihr in den Kibbuz und er arbeitet in der Wasserwirtschaft . So war der ursprüngliche Plan . Aber: Da kam die Wende später und die Studienz eit wurde verkürzt auf zwei Jahre , so dass die Ressourcen nicht da waren .

Und dann war klar , dass wir hier bleiben und dann haben wir gesagt: Okay . Und dann kamen wir nach Hamburg. Und endlich mal in einer jüdischen Gemeinde leben . Und bevor ich nach Hamburg umgezogen bin , wollte ich gern den Kindergarten eröffnen, in Hamburg. Aufgrund dessen bin ich einen Monat lang nach Köln gegangen und habe da hospitiert im Kindergarten und den ersten Schock erlebt, als ich bemerkt habe , dass der Kindergarten verschanzt ist in einer Behörde mit riesigen Stahltüren , mit Sprechanlage und Polizei und so weiter und so weiter .

Aber ist okay , die Kinder waren abgesichert . Als die Kinder auf den Hof gegangen sind , mussten wir das immer mit dem Kinderheim, das daneben war, absprechen , wer zum Hof geht. Denn so waren die Kinder dann unter anderen Kinder und so hätte keiner sie angegriffen als jüdische Kinder. Und dann habe ich gesagt: gut, ok! Judentum in Deutschland . So ist das, das muss man hinnehmen . Zurück in Hamburg sind wir dann eingezogen . Der Kindergarten wurde aufgrund staatlicher Baumaßnahmen leider nicht geöffnet . Und dann habe ich gesagt: okay! Wenn es nicht ist , mache ich mein Ding. Ich er öffnete einen Kindergarten und eine Mutter- Kind-Gruppe .

Und dann hatte ich im Haus der Frau in Hamburg eine Mutter-Kind- Gruppe , zweimal die Woche . Es fing damit an , dass ich dann die Kind in zwei Gruppen geteilt haben, je nach Altersunterschied. Denn meine Tochter hat natürlich keinen Kindergartenplatz bekommen , was ich in Deutschland nie verstehen konnte, dass eine Mutter , die nicht arbeitet , keinen Anspruch auf einen Kindergartenplatz hat . Andererseits, e ine Mutter , die arbeitet , kann nicht arbeiten gehen , weil sie keinen Kindergartenplatz hat. So biss sich immer die Katze in den Schwanz .

Es war so , dass ich keinen Kindergartenplatz hatte für meine Erstgeborene , auch nicht für die Zweitgeborene. Und diese Mutter- Kind- Gruppe , jüdische Kinder, war natürlich der Ersatz für die Kita und da bin ich aufgegangen . Da habe ich meine ganze Interesse und meine ganze Intention bei der Arbeit für diese Gruppen geöffnet . Ich habe dann Material von meinen Eltern bekommen aus Israel , aus USA , aus England , aus Frankreich. Hab alles übersetzt und habe ein Curriculum für die verschiedensten Altersgruppe her gezaubert .

Und dann sind mein zweites und drittes Kinder geboren , also Ruth und Benjamin . Mein Mann war in der Uni und es war die schönste Zeit , denn er war täglich zu Hause und sechs Jahre lang an einem Ort . Das hatte ich nicht, bis dahin sind wir schon fast sechsmal umgezogen . Alle drei Jahre oder zwei Jahre woanders , so dass man immer die letzte war mit Kindergartenplatz . Niemals eine Arbeitsstelle , niemals dies , niemals jenes.. . Ist ok. Also in Hamburg ging alles auf .

Das waren sehr schöne Ehejahre , sehr schönes Familienleben . Wir haben sogar zwei Kinder bekommen . Kein Wunder , der Mann kam jeden Abend nach Hause und nicht einmal im Monta. Und so kamen Benjamin und Ruth zur Welt .

Und nach sechs Jahre ist mein Mann dann nach Köln, wir sind nach Köln gegangen .

Dort habe ich in der Stadt Bonn gearbeitet .

Aber was ich vergessen zu erwähnen ist: Mein Mann und ich haben einen Verein gegründet in Hamburg , einen Verein zur Pflege der jüdischen Kultur und haben dabei die russischen Leute , die gerade eingewandert sind, nach der Wende ... Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs... Haben wir die betreut und wir haben die mit allem Drum und Dran betreut . Wir haben die Möbel angeschafft , Kleider angeschafft , Hausrat angeschafft , Arbeit angeschafft , hin und her gefahren und so weiter und so weiter . Haben sogar zusammen das Museum in Osnabrück eröffnet mit der Gruppe , weil die Jüdische Gemeinde in Osnabrück sich nicht bewegt hatte. Wir haben wir das Haus sogar geöffnet und nach einem Jahr geheiratet. Nicht nur standesamtlich , sondern endlich mal jüdisch- religiös mit 150 Leuten, in einem Landschulheim , das jedes Jahr eine Mutter-Kind-Kur oder Familien Erholungszeit gemacht hat, in der Lüneburger Heide . War sehr , sehr schön . Und das war der Ersatz für einen Kindergarten oder für die jüdische Schule , die für meine Kinder nicht vorhanden war . Meine Kinder waren von Anfang an auf dem Schoß aller Leute , während mein Mann und ich unterrichtet haben und noch zwei andere Leute . Und da sind wir nach Köln umgezogen und von Köln nach Berlin. Die Kölner Zeit war sehr schön .

Wir haben den Karneval von der schönsten Seite kennengelernt , denn meine Tochter wurde sofort adoptiert von einer uralten Karneval- Familie aus Ossendorf, wo die Großmutter in Bayern in den Karneval Frauenbund/ Katholischer Bund und die Tochter ein Mariechen war und die Enkelin ebenfalls... So waren wir eingeweiht, in den schönsten Teil des Karnevals. W ir haben den Karneval von der besten Seite kennengelernt, denn es war nicht nur eine Saufp arty , sondern etwas mehr. Da war eben Kultur dabei . Wenn man überlegt , dass die Leute im Herbst anstelle Herbst Depressionen zu bekommen sitzen , nähen, sich Sketche aus denken , sich Lieder , Tänze ausdenken und das alles produzieren und fabrizieren , dann denke ich: Wow , ist schön .

Und es war wirklich eine kulturelle Angelegenheit bis zum Aschermittwoch . Meine Kinder sind sehr treu dem Karneval geblieben . Meine Tochter , insbesondere, die Ruth fährt fast jedes Jahr zum Karneval , bis auf die Corona- Zeit natürlich , denn es gehört sich so. Und ich vermisse es , muss ich sagen und schunkele jedes Mal , wenn ich alle tolle Bänder im Fernsehn sehe. Mach den Lautsprecher ganz, ganz laut und schunkele im Bett oder auf dem Sessel , wenn ich diese tollen Karneval-L ieder höre .

Das ist Karneval wie es im Buche steht . Es bebt in einem und bleibt auch so. Ich denke ich bleibe Köln treu, in dieser Hinsicht. D as ist einfach schön , denn wie haben etwas Paralleles . Wir haben unsere Purim fest , was sehr ähnlich ist und somit war es einfach ein schönes kulturelles Ereignis . Wir sind nach Berlin gekommen . Berlin war die Oase , die Oase für jüdisches Leben noch und nöcher, nach Köln und nach Hamburg . Also Hamburg war der Anfang .

Die Steigerung war Köln , weil da eine sehr schöne jüdische Gemeinde war , mit einem ganz tollen chassidische Rabbiner, die Familie Strocks , die uns sehr geprägt hatten . Wir sind nach Berlin gekommen, es gibt hier fünf Synagogen . Es gibt vier Plätze , wo man koscheres Fleisch holen kann , ohne was zu bestellen aus Frankfurt , was eingefroren kommt, in riesigen Packungen von 10 Kilo oder so was . Und eine jüdische Schule , jüdische Kindergarten , wo ich selber tätig war . Und wo mein Mann eben tätig war. Mein Mann war Eltern- Vorsitzender der jüdischen Elternschaft in der Oberschule und ich war in verschiedenen Schulen , unter anderem auch ehrenamtlich und auch freiberuflich .

Ich habe in der Nelson Mandela Schule begonnen , dann in der jüdischen Fachhochschule , dann in der Oberschule , dann in der Grundschule . Dann habe ich noch ein Projekt gemacht "Trilogie" in Neukölln , fünf Jahre vor dem Senat war das unterstützt, so dass man jüdische , muslimische und christliche Religionen versucht hat , den Kindern - gerade in Köln - beizubringen, das war sehr lustig . Die Kinder wussten nicht , dass ich Arabisch kann und ich hatte ein Mädchen namens Ahlem. Ahlem auf Arabisch heißt: ich träume .

Und Ahlem war vom Anfang an gegen die jüdische Lehrerin . Was wollen Sie denn ? Wir hören in Al-Jazeera , was sie alles machen . Sie töten alle Kinder in Gaza und und und.. . Nein , Kinder, macht nicht mit! Und Ahlem war so ein bisschen dick und ein bisschen lieb, bodenständig , drehte sich immer um und ich hatte nur ihre Rücken und Gesäß gesehen und habe gesagt: Ach komm , dreh dich mal um . Nichts da . Pustekuchen . Ahlem wollte nicht. Na gut , ok. Einmal, zweimal , dreimal . Und Ahlem sprach mit allen ihren Freunden , die palästinensische Herkunft waren, arabisch und sagte: Hör nicht auf sie! Das sind Imperialisten , das sind Terroristen! Sie töten euch , das sind Nazis!

Einen Tag, nicht gehört, nächste Woche , nicht gehört. Dritter Tag, nicht gehört . Und einmal war es mir einfach zu bunt und habe gesagt: Ahlem , weißt du was? Auf Arabisch... Heute Nacht habe ich was geträumt - wie ihr Name, "ich träume", ja - ich habe heute Nacht was geträumt , dass du dich umdrehst und zu mir sagst: Wallah , du bist eine von uns? Das glaub ich aber nicht! Und du spricht Arabisch und deine Eltern kommen aus Tunesien? Wallah , bist du eine von uns! Und so war es auch. Ahlem hörte , dass ich Arabisch kann, wurde puterrot im Gesicht , drehte sich um , verkrümelte sich auf ihrem Sitz und wurde immer kleiner . Das sagte ich: Ahlem, hab keine Angst .

Ist in Ordnung . Du warst wenigstens ehrlich und hast gesagt , was du denkst . Aber jetzt , ab jetzt fangen wir an ! Ahlem war meine Patronin . Ahlem war meine Beschützerin . Ich ging auf dem Hof . Da hat mir keiner was gesagt, keiner angefasst in Neukölln . Ich wurde durchgereicht von allen Altersstufen, denn Ahlem konnte allen Leute sagen , was zu tun ist . Und Ahlem hat gesagt: Die fässt du nicht an! Die ist eine von uns , auch wenn sie nicht Moslem ist .

Aber die kann arabisch und die ist eine von uns . Und so war es auch . Und so habe ich die Zeit sehr gut überbrückt in Neukölln. War ein schönes Erlebnis! Und ich denke , das ist die einzige Möglichkeit Judentum zum Anfassen anzubieten , auch gerade in solchen Plätzen wie Neukölln , Wedding, in Kreuzberg und so weiter . Leider war es vom Senat nicht weiter unterstützt, sodass ich nach 5 Jahren aufhören musste. Aber das war eine sehr fruchtbare Arbeit . Insbesondere muss ich sagen, mit den arabischen , also mit den muslimischen Lehrern - wo ich selber gesehen habe , welche Vorurteile es bei uns christlichen Mitarbeiter/ Lehrern gibt . Als wir die Geschichte Joseph genommen haben , wurde die Geschichte Joseph , die man kennt , aus dem Alten Testament im Neuen Testament ebenfalls übernommen, aber auch im Islam. Und im Islam sind da mehrere Sachen , die nicht immer genau so erzählt werden in der Bibel , sondern nur in der Überlieferung . Und da hörte man , wie die christlichen Mitarbeiter andauernd gegen die muslimische Geschichten waren. Was ich nie verstehen konnte , denn solche Leute arbeiten für Toleranz . Und solche Leute sind schon so ignorant , dass man sich fragt: Sag mal , wo bin ich denn eigentlich gelandet ? Die Lehrerin , die muslimischen Religionsunterricht unterrichtet , kann nichts dafür , dass bei denen die Überlieferung so war , dass zum Beispiel mehrere Frauen schauten , wie schön Joseph war und sie unkeusch waren.. .Nun ist im Islam erzählt , dass sie unkeusch waren , denn sie haben immerJoseph angeschaut ... Und ich habe gesagt: So what ?

Und als ich weiter geschaut hab , in unserer Überlieferung , ist sogar diese Geschichte in unserer jüdischen Überlieferung ebenfalls geschrieben . Also ganz aus den Fingern ist es nicht gesaugt worden , sondern das sind Überlieferung über Jahrhunderte , die weitergegangen sind . Und ich meine , die Lehrer , die das erzählt haben, aus ihrer Sicht , könnten natürlich nichts dafür.

Also ich habe dann in der Jüdische Oberschule gearbeitet , bis meine Kollegin , meinen Mann ausgespannt hatte , die unbedingt mein Sohn unterrichten wollte. Wo ich gesagt habe: Weißt du was ? Ich schenke dir meinen Mann , aber lass meinen Sohn in Ruhe . Daraufhin ist sie zur Leiterin gegangen . Die Frau kam aus dem Osten und war sehr gewieft und meinte: W enn ich nicht unterscheiden kann zwischen ihr , als die Lehrerin , zwischen ihr als Kollegin und ihr als die Geliebte meines Mannes , dann haben ich und mein Sohn auf der jüdische Privatschule nichts zu suchen. Eine Frau , die aus dem Osten kam , die nicht mit Judentum zu tun hat . Aber was soll's . Schnurstracks geht sie zur Leiterin. Und wie es wahrscheinlich im Osten üblich war , geht sie und denunziert mich und sagt , dass ich mich einmische in bestimmte Belange , private Belange der Schule; und lasse sie in der Oberstufe mein Sohn nicht unterrichten .

Daraufhin wurde ich versetzt , aber nicht sofort . Ich musste erst die "60 Jahre Israel" Feier mitgestalten. Und als das Jahr zu Ende war , bin ich dann versetzt worden, auf fünf Schulen. In einer der Schulen hatte ich einen Arbeitsunfall und seitdem arbeite ich nicht. Und habe dann leider aufhören müssen, ungewollt .

Dann habe ich mich getrennt von meinem Mann, nach 1,5 Jahren Versuch... Wenigstens bis die Kinder Abitur gemacht haben . Aber ich merkte , es ging nicht. Und nur Kompromisse zu schließen geht nicht . Entweder ist man zusammen oder ist man nicht zusammen . Und ich wollte mindestens ein Freund . Aber als ich gemerkt habe , dass noch nichtmal eine Freundschaft da war , habe ich gesagt: Einen Mitbewohner kann ich mir holen , da brauche ich keinen Ehemann dafür! Raus! Ich habe gesagt , wir haben ein englisches Haus , kannst dir aussuchen , aus welcher Tür du raus gehst .

Es ist sowieso eine temporale Bleibe . Such dir deine temporale Bleibe woanders . Ich gebe dir drei Monaten zum Überlegen . Kommst du , ist gut , kommst du nicht, ist auch gut! Mach mal bitte eine Therapie! Was Männer natürlich nicht wollen , weil sie alles können . Und geh mal zu Kur , mach mal einen Kur und werde endlich mal nüchtern - um zu wissen , was du wirklich willst . Mein Mann hat sich entschieden, für die Freiheit. Durfte er auch. Er hat mir aber nicht teilnehmen lassen, an seiner Wahrheit und hat einfach eine Wohnung gemietet , ohne dass ich davon wusste .

Und ich dachte immer noch er kommt nach 3 Monaten zurück wegen den Kindern und bla bla bla . Aber anscheinend sind Frauen eben so , dass sie das Ende zwar einschätzen können , aber nie so haben wollen, und aus diesem Grund kompromissbereit sind . Und es hat mich geschwächt insofern , dass ich noch betrogen worden bin . Wäre das eine offenes Spiel gewesen , dann hätte ich das besser verkraftet . Aber so ein unoffenes Spiel, das zweite Mal, war dann nicht so schön. Aber ist in Ordnung .

Ich habe es hingenommen . Meine Kinder waren da , ich habe einen Untermieter genommen und habe versucht , mich übers Wasser zu halten . Ich wollte mein Mann nicht verklagen , weil ich dachte: der arme Mann blablabla . Aber als mein Mann nicht bezahlen wollte , als er sollte , blieb mir nicht anderes übrig , als ihn zu verklagen . Leider ging es um drei Klagen und keine schöne Klage , bis ich pfänden musste , so dass ich mein Geld von der Bundeswehr bekomme und seitdem meine Ruhe habe .

Ein Gedanke war, nach Israel zu gehen und ich wollte nicht monatlich über das Geld , das er verfügt, kämpfen mit Rechtsanwälten . Also musste ich pfänden. Es ist sehr schön . Ich bekomme das Geld von ihm nicht , ich bekommt es von der Bundeswehr und ich bekomme immer dieselbe Summe und nicht einmal 500 und einmal 600 und einmal 1000 oder einmal gar nichts . Also bin ich von ihm nicht angewiesen . Der ist frei , ich bin frei . Das ist besser so.

Ich dachte , wir könnten gute Freunde bleiben , aber anscheinend - wie die Liebe so groß war, so ist der Hass größer . Anscheinend kann mein Mann mir nicht gegenübertreten ohne Bedenken . Und ich war auch sehr emotional , gebe ich zu , weil ich nicht gern verliere und habe daraus gelernt , dass es Dinge gibt , die man nicht erzwingen kann . Liebe kann man nicht erzwingen , Treue ebenfalls nicht , auch wenn das wünschenswert wäre . Ich hätte nie gedacht , dass es so weit käme , denn er war ein sehr guter, lieber Ehemann und guter Vater für seine Kinder .

Was in ihm abgelaufen ist , kann ich nicht sagen , aber es ist in Ordnung . Seitdem Leben wir über 10 Jahre getrennt . Er lebt nicht mit ihr , aber ist noch befreundet mit ihr . Er hat Krebs bekommen , er hat Herzinfarkt bekommen . Ich habe Krebs bekommen . Wir sind 10 Jahre getrennt, da frage ich mich: Was wollten wir eigentlich? In dem Alter , wo man gerne zusammen alt werden könnte... Die Enkelkinder und die Kinder wachsen sehen und gedeihen und heiraten und so weiter und so weiter.

Nachdem wir so eng aneinander waren und und alles geschafft haben , kommen wir an den Punkt , wo wir die Früchte , die wir gesät haben , endlich mal genießen dürfen .

Dann lassen wir es krachen und jeder geht seinen Weg . Dumm , dumm gelaufen .

Aber es gibt auch einen Weg danach und es gibt auch eine Zeit danach, auch nach dem Krebs , auch nach der Ehe . Und ich bin froh über diese Erfahrung , denn diese Erfahrung stärkte mich . Es gibt eine Möglichkeit: Entweder bleibt man überm Wasser oder taucht man unter oder ersäuft man . Und ich habe zum Leben ein großes JA gesagt , weil ich gesagt habe: Gut, du bist 45 Jahre in in Deutschland . Zurückkehren wollte ich ohne die Kinder nicht . Okay , du hast hier diese Wahlheimat gewählt, bleibt zu Hause , so lange wie du kannst! Dezimiere deine Sachen , miste aus .

Und dann entweder gehst du in ein betreutes Wohnen , je nach Gesundheitszustand oder in eine Alternative, Jung und Alt Haus oder in eine Zweizimmerwohnung . Also ich bin in die dritte Lebensphase gekommen , habe extra in einer Schhabbat- Schule einen Mini Job bekommen , was mir sehr geholfen hat - auch den Krebs zu ignorieren und zu spotten über den Krebs . Ich sage: Du kannst mich mal! Ohne mich bitte! Und das hat er gut verstanden . Ich bin Metastasenfrei und hoffe dann , dass die nächste Jahre Krebs frei sind .

Und wenn nicht , dann werde ich den nochmal bekämpfen . Vielleicht nicht mit derselben Intensität. Aber mit der Hilfe meiner Kinder habe ich das gut gepackt. Und auch mit der Hilfe Gottes und der Gebete meiner Familie denke ich. Weil ich auf die gute Seite auch rückblickend sagen kann: Das Leben ist lebenswert , das Leben ist schön . Das Leben hat seinen Wert und wir haben eine Aufgabe in unserem Leben , die wir erfüllen sollen und auch stets erfüllen sollen . Ich denke , gerade meine Eltern , die die Schoah überlebt haben in Tunesien , die die Emigrationsz eit überlebt haben in Israel und die Aufbaujahre in Israel .

Meine Güte , was haben sie erlebt, im Vergleich zu uns. In meiner Generation haben wir eigentlich ein schönes Leben gehabt ? Ja , zwar fünf Kriege in Israel und so weiter und so weiter . Aber in Europa sind wir noch kriegs frei und es geht uns gut .

Und trotz allem wirtschaftlichen Auf und Ab in Deutschland ist es ein sicheres, soziales Land , wo man hoffen kann , dass Demokratie sich noch weiter bewahrt , so dass wir selber als Juden oder zum Teil Ausländer, Platz haben dürfen . Und ich hoffe somit , dass es so weitergeht und dass meine Kinder eben ihren Platz in der Gesellschaft finden .

Und meine Enkelkinder ein z u Hause hier finden . Ich habe oft überlegt , da wir sowieso ursprünglich nach Israel zurückkehren wollten , dachte ich , wozu soll ich dann meine Kinder in der Fremde gebären ?

Denn, sollte das ein Junge werden , dann muss man fragen , wo er beschnitten wird . Dann hat man kein jüdisches Leben , dann hat man keinen jüdischen Kindergarten , dann hat man keine jüdischen Freunde. Und dann habe ich gesagt: Wozu dieser Krampf ? Macht es doch in Israel, da hast du alles intus. Und der ursprüngliche Plan war , mit meinen Eltern ein Haus zu kaufen, mit zwei Eingängen, wo wir einen Eingang und meine Eltern den anderen Eingang haben. Wo ich meine Eltern ein bisschen unterstützen könnte, denn mein Vater , nachdem er erfahren hat , dass ich einen Halbjuden - wie Hitler das benannt hatte - a lso mein Mann ist jüdischer Abstammung vom Vater. Also von der Mutter Seite, der Vater ist Jude gewesen . Ich habe überlegt: es wäre einfach besser in Israel unkompliziert die Kinder zu erziehen und so. Mein Vater hat dann einen Zucker-Schock bekommen , als er wusste , dass ich entschieden habe, meinen Mann zu heiraten und hat danach einen Schlaganfall bekommen . Er war religiös und es fiel ihm nicht sehr leicht . Und normalerweise ist es so, der Rabbiner hat ihm empfohlen , sich gegen das Kind zu entscheiden , sprich: mich für tot zu erklären und 7 Trauertage zu sitzen .

Und mein Vater hat gemeint , er könne das moralisch nicht machen , meine Mutter sowieso nicht . Und die haben gesagt: Esther hat uns versprochen, Esther wird es schaffen . Und tatsächlich hat mein Mann Unterricht genommen in Israel. Hat es leider nicht geschafft, da er keine 12 Monate da blieb. Ist nach Deutschland gekommen mit der Prämisse: Wir machen das in Deutschland. Und wir sind nach Deutschland gekommen und es war sehr lustig . Wir sind ins Gemeindehaus gekommen und hatten uns aber nicht vorher angemeldet. Und ich dachte, es sei ein Bürohaus. Und dann sind wir gekommen und dann war alles verriegelt. Und da sind wir durch den Keller reingekommen und dann hinter einer Metall-Tür kommt der Herr Zwiebel , der gestorben ist danach und fragt: Ja, wer s eid ihr denn ?

Ja , wir kommen aus Holzminden .

Aha , wer seid ihr denn aber eigentlich ? Ich komme aus Lodz! Ahhhh, polnische Dripke! Eine polnische Hexe! Da habe ich gesagt: Vielleicht bin ich eine Hexe , aber nicht das Lodz, Polen , sondern aus Slot aus Israel . Seu sagte er auf jiddisch. Ok und er fragt m einen Mann: woher kommst du denn ? Sagt er auch so zu mir: Bist du jüdisch? Dann sagt er: Nein! Dann sagt er "oh Gott" dazu .

Und dann wollte er aber - und ich merkte , das lag ihm auf der Zunge: Woher kommen deine Papa und Mama? Dann sagte ich: aus Tunesien! Und sagt er: Auweia , auweia , auweia . Und das war der erste Jude , den ich in Deutschland gesehen habe , wo ich gesagt habe: Was sind das für Vorurteile? Rassisten! Was seid ihr denn für welche ? Antijüdisch bis zum geht nicht mehr .

Ich bin ein jüdischer Mensch . Was soll das denn ? Das sind die Vorurteile der 60er-Jahre gegen arabische jüdische Leute , die aus den Maghreb Ländern gekommen sind oder so was . Oder Iberische Insel , Italien , Türkei usw. usw. . Aber nun war das die erste Begegnung mit der jüdischen Gemeinde . Und da wusste ich: Aha , in so einem Land willst du keine jüdischen Kinder bekommen . Und deshalb war die Entscheidung , keine Kinder zu bekommen . Ich wollte auch meine Ausbildung . Das habe ich meinen Eltern versprochen , die mir auch Geld für das Goethe-Institut damals gegeben haben .

Das war damals 2000 D-Mark . Unheimlich viel Geld , um einen Kurs zu beginnen , um hier das Studium weiter zu machen . Und ich wollte einfach nach Israel. Und ich wusste , wo man die Kinder bekommt , ist man angewurzelt . Und wenn die Kinder dann erst in die Schule gehen , dann ist kein zurück. Und aus dem Grunde habe ich entschieden , einfach die Kinder so unkompliziert wie möglich jüdisch zu erziehen , denn wir haben beide gewollt , dass unsere Kinder jüdisch erzogen werden .

Und da bin ich auch meinem Mann sehr dankbar , dass er das auch hingenommen hat und auch unterstützt hatte. All sein W irken hatte das auch gezeigt , dass er das macht . Und aus dem Grunde wollte ich keine Kinder . Und ich glaube , wenn ich heute die Entscheidung hätte , ich hatte die Entscheidung nach Miriams Geburt. Miriam war gerade drei Jahre , als mein Mann entschieden hat , in Deutschland lebenslänglich zu bleiben . Tut mir leid , der Ausdruck "lebenslänglich" in Anführungszeichen .

Ich bin zur Botschaft gegangen und habe gefragt , ob die Petition es zurücknehmen kann und es wäre möglich. Mein Mann hat auch versucht es zu machen , aber es war nicht möglich .

Ich war bei der Entscheidung: bleibe ich da oder bleibe ich nicht da ? Gehe ich hinter meinen Mann her oder nicht hinter meinem Mann her? Und hinter meinem Mann zu gehen, war eigentlich der Name von Ruth . Ich gehe da , wo du bist . Dein Gott ist mein Gott . Also mein Gott ist sein Gott und umgekehrt . Und dein Land ist mein Land . Und da wo du gehst , gehe ich auch . Und das war die Entscheidung mit der Geburt Ruths . Und deshalb heißt Ruth auch Ruth , denn er war auch Gertrud im Gespräch .

Gertrud hieß meine Schwiegermutter , die sehr lieb war , und aus dem Grunde nannte ich Rut nach ihrem Namen . Und es hat auch eine Bedeutung , eine gestörte Konvertita . Denn mein Mann versuchte 18 Jahre zu konvertieren , was sehr schwierig war in Deutschland und erst in Hamburg war es möglich . Und witzigerweise und das nur, um es abzuschließen: M ein Mann, s ein erster Aufruf zu Tora, war an dem Schabbat, als mein Vater gestorben ist, kurz vor der Geburt meines Sohnes. Und mein Mann ist zu Mikwe gegangen . Das ist das Bad , was man rituell machen muss , wenn man konvertiert ist . Hätte er am Donnerstag normalerweise machen müssen. Aber am Donnerstag war die Mikwe kaputt , also konnte er das erst am Sonntag früh machen. Da war es immer noch kaputt. Am 19. November ist mein Mann ins eiskalte Wasser und in der Stunde ist mein Vater gestorben. Und ich habe gesagt: Schau mal , wie das alles miteinander verflochten ist . Du hast meinem Vater versprochen , dass du konvertierst und dass du jüdische Kinder haben würdest . Und just in der Zeit ist er gestorben und fünf Tage danach ist Benjamin geboren .

Man dritt geborenes Kind . M ein Vater war nicht mehr da und mein Sohn ist auch nach den Name meines Vaters benannt worden . Aber nicht mehr ??? , denn die Deutschen hätten Meyer ihn genannt oder Pinkus genannt . Und das wollte ich nicht . Aus dem Grund ist Benjamin vorgeschoben , da kann jeder damit etwas anfangen .

Aber hätte ich diese Schule nicht geöffnet, für die jüdischen Kinder, d ann hätten meine Kinder am Anfang gar keine jüdische Erziehung gehabt . Und ich weiß noch , ich habe damals den Rabbiner Lubavitscher Rebbe eingeladen aus England , um uns die Purim Geschichte zu erzählen und habe mich entschuldigt , dass wir im Keller sitzen und ihn dort einladen , so eine heilige Person in Anführungsstrichen. So eine berühmte Person aus Europa . Der Gesandte in Europa von Rabbi Millobawitsch , der für die Kinder und deren Eltern es lesen muss. Und dann sagte er mir: Wissen Sie , wo Abraham begonnen hat mit dem Judentum? In einem Zelt mit vier Eingängen! Hier, dieses diese Zimmer hat zwei Eingänge .

Was wollen Sie noch ? Das ist mehr als ein Zelt! Und ich denke , der hat es erfasst . Es ist egal , wo man unterrichtet . Wenn man unterrichten möchte , dann gibt es eben die Möglichkeit . Und das war die einzige Möglichkeit , jüdische Kinder an einem jüdischen Ort zu unterrichten . Hätte ich diese Möglichkeit wie in Berlin gehabt , von Anfang an, wäre es keine Frage . Ich wäre wahrscheinlich auch von Anfang an in jüdische Schulen involviert und hätte nicht in christlichen Einrichtungen arbeiten müssen .

Bei der erste Einrichtung , die christlich- katholische Einrichtung in Lüneburg , wo ich gearbeitet habe , musste ich dem Pfarrer versprechen , dass ich die Kinder nicht bekehre . Und musste versprechen , dass ich nur alttestamentarische Geschichten erzähle und nicht neu testamentarisch . Dabei wusste ich mehr als alle meine Kollegen über das neue Testament, sowie über das alte Testament, w eil ich eben gläubig war . Und ich habe Weihnachten schön gefeiert , denn es ist eine schöne Feier .

Apropos Erziehung .

Das Rotationsprinzip beim Bund war so , dass man alle drei Jahre - vor der Wende - dass man alle drei Jahre , wenn man den Offizier- Lehrgang gemacht hat , alle drei Jahre eine neue Aufgabe hat . Also zum Beispiel man musste einmal bürokratisch , einmal vor eine Truppe und einmal organisatorische Dinge machen , Sport oder Schiesserei und so weiter und so weiter . Also ist mein Mann dann von Ort zu Ort umgezogen, in diesem Rotationsp rinzip der Laufbahn. Und ich bin ihm hinterher getrottet .

Also wir sind zum Beispiel nach anderthalb Jahren Ehe , wo ich nach Deutschland gekommen bin , musste ich bei meinen Schwiegereltern leben , denn mein Mann war erst auf einem Lehrgang lernen . Also bei dem Lehrgang durfte er noch keine Frau zu sich holen . Nun waren wir auch noch nicht verheiratet . Also als wir geheiratet haben , mussten erst die Papiere durchgehen .

Okay , ein halbes Jahr später haben wir eine Wohnung bekommen . Halbes Jahr später war der Offizierlehrgang meines Mannes zu Ende . Und siehe Wunder , mein Mann kam nicht nach Lüneburg . Wir haben gerade drei Wochen zusammen gewohnt in Lüneburg, da kam mein Mann nie wieder . Sag ich: Wozu sind wir nach Lüneburg gekommen ? H ätte ich gewartet bis Januar . Im Januar hätten wir was anderes gesucht , dann wären wir woanders hingegangen. Ich habe mich aber schon beworben an Schulen .

Gut , ok . Zieh ich um, was soll´s. Also in Lüneburg war ich alleine . Mein Mann kam nie wieder . Und als der wieder kommen sollte... Wir haben gebeten , dass er mit einem anderen Kollegen das tauschen würde , der von Frankfurt nach Lüneburg gekommen... U nd habe gesagt: Komm , lass uns mal tauschen. Du gehst dahin . Nein , das geht natürlich nicht . Deutsche Bürokratie oder Bundeswehr Bürokratie oder was weiß ich . Die hatten bestimmt ihre Gründe .

Also mein Mann kam nicht nach Lüneburg zurück , aber wurde versetzt nach Munsterlager . Das ist der letzte Ort . Alle Heidschnucken für Panzergrenadiere und für Artilleristen . Was soll man in der Lüneburger Heide machen ? Eine Schule , ein Kindergarten , das wars! Ein Ampel! Entschuldigung, da habe ich mein Führerschein gemacht . Wir mussten immer nach Soltau , denn es gab nur eine Ampel , kein Rondell , kein bergab , kein bergan . Lüneburger Heide , flach wie Heide .

Und dann ist da ist Miriam geboren . Dann wurde mein Mann wieder versetzt und musste nach Idar-Oberstein . Ich hab gesagt , ich habe Mutterschaftsurlaub . Ich gehe mir meinem Mann nach Idar-Oberstein . Also bin ich nach Idar-Oberstein gegangen . Auf dem Berg haben wir gewohnt. Da kommt man noch nichtmal mit dem Kinderwagen runtergehen, weil das alles voll verschneit war im Winter . Aber immerhin , wir waren zusammen . Danach ist mein Mann wieder umgezogen, nach Göttingen. Und von Göttingen nach... Von Lüneburg nach Munster , von Munster nach Göttingen , von Göttingen nach Idar-Oberstein , von Idar- Oberstein nach Hamburg , von Hamburg nach Köln , von Köln nach Berlin .

Und so bin ich hinterher getrottet . Für eine Frauen Karriere ist es natürlich nichts . Sie sind ja immer die letzte in der Reihe . Aber auch als Mutter ist man die letzte in der Reihe , denn die Kinder sind immer als ... Kinder im Kindergarten . Und ich muss sagen in Israel - I srael ist auch ein militanter Staat . In Israel ist es so , dass - und normalerweise gibt es auch eine Regel , dass ein zugezogene Kind, wo seine Eltern beruflich für den Staat arbeiten , hat ein Vorrecht , einen Platz zu bekleiden .

Aber wir hatten kein Recht . Da habe ich gesagt: Meine Güte , als Frau werde ich dafür kämpfen . Als ich in Göttingen war , werde ich eine Broschüre für alle Offizier-F rauen und Unteroffizier- Frauen verfassen , der zum Beispiel über den Ort Göttingen etwas , sagt man. Kommt als Niemand hierher . Man weiß nicht , wo Schulen sind , welche Stadtgebiete gibt es? Wo sind Frauenärzte , wo Kinderärzte , wo Krankenhäuser sind. Ich habe gesagt, so eine Broschüre mussten wir verfassen . Und das war mir viel lieber , als mit dem Frauen zu sitzen und Kaffee zu trinken . Ich habe gesagt: Lass uns mal was Konstruktives machen, an stelle nur Lalala und blablabla , was mir nicht lag . Zumal die Trennung zwischen Offiziere und Unteroffiziere, was ich in Israel nicht kannte , fand ich so krass .

Dann habe ich zu den Offiziersf rauen gesagt: Leute , eure Männer werden dienen bis zum geht nicht mehr .

Ohne den Unteroffizier würden sie nie das erreichen , was sie erreicht haben . Und ohne die Arbeit der Unteroffiziere wird der Hauptmann , der viel jünger ist und weniger Erfahrung hat , niemals die Truppe unter sich haben . Und diese krasse hierarchische Struktur hatte ich nicht so akzeptiert und ich habe demonstrativ immer mit Frauen gesessen, auf den Bällen oder sowas, demonstrativ immer mit den Frauen gesessen , die nicht Offiziere waren , weil ich gesagt hab: Es gehört sich so. .. Aber da ich eine Ausländerin war , hat mir das keiner übel genommen und das ist gut so.

Ich muss noch erzählen: In Göttingen hatte ich endlich mal, nach mehreren Versuchen, einen Arbeitsblatt bekommen. Und es war eine Schwangerschaftsv ertretung in einem evangelischen Kindergarten . Und nun als Mutter, meine Tochter wurde drei, meine Bedienung war , dass meine Tochter einen Kindergartenplatz bekommt . Okay , das war auch möglich . Und dann sagte ich: Aber Sie wissen , dass ich Jüdin bin? Und du sagte die Leiterin: Kein Problem , aber du musst zum Pfarrer gehen und ihm das sagen .

Und es war gerade Muttertag und ich habe mit dem Kindergarten... I ch habe eine Woche hospitieren und zugesehen , dass meine Tochter in einer anderen Gruppe auch Platz bekommt . Das war sehr interessant . Wir hatten Sinti und Roma da und viele Leute aus dem Ausland , die in der Uni Göttingen gearbeitet haben . Und siehe Wunder , die Sinti und Roma Kinder kamen sofort zu mir auf dem Schoß . Klar . Ich sah wie sie aus . Ich bin Dunkelhaarig, ich bin anders und so weiter und so weiter .

Das war eine nonverbale Kommunikation . Und am Ende des Tages , nachdem die so viel gebastelt haben und schön gemacht haben und so weiter und so weiter , kam mein Vater so mit orange Kleidung an den T ürpfosten , stellte sich an den Türpfosten und wollte nicht hinein. Und ich habe gesagt: Herr Soundso , kommen Sie mal rein , schauen Sie , was Ihre Tochter schön gebastelt hat, für Ihre Frau zum Muttertag . Nein , ich bin nicht schön angezogen . Ich rieche , ich sehe... Ich sage: Passen Sie mal auf , Herr Soundso , schauen Sie mich mal an.

Ich habe auch Albertsk leider . Kommen Sie mal , es gibt keine schmutzigen Kleider! Sie arbeiten, das sind Arbeitskleider und so weiter . Als die Leiterin des Kindergarten das gesehen hat , welche Kommunikation ich in so kurzer Zeit geschafft habe , nonverbal, mit den Leuten einfach, kommt! Hat sie gesagt: Wissen Sie , wir arbeiten so lange mit , diesen Leute . Der Vater ging nie über die Schwelle . Egal ob er normal angezogen war oder mit Müllabfuhr kleidung... Er hat niemals die Türschwelle für seine Kinder... In gar keiner Gruppe .

Und er hat in jeder Gruppe ein Kind , weil sie mehrere Kinder hatten. Und sie hat gesagt: Dich will ich! G eh mal zum Pfarrer . Also bin ich zum Pfarrer gegangen , habe mit dem Pfarrer gesprochen . Der Pfarrer sagt: kein Problem , ich kann sogar Hebräisch. Ich würde mich freuen . Aber ich muss den Vikar in Hannover fragen. Und nun geht er zu dem Vikar , zu der einen Sitzung . Alles schön und gut. Und erzählt , wie schön, wie kommunikativ , blablabla blabla und alttestamentarisch habe ich versprochen, by the way, den Kindern zu erzählen. W em schadet es? Ja okay! Der hat gesagt: K ompetent .

Die Frau ist kompetent , sie kennt die Geschichten genug, sie kann das aus dem Effeff. Und der Vikar lehnt mich ab , weil ich Jüdin bin . Und das sage ich: Meine Güte , das war mein erster Versuch , einen Platz zu bekommen, nach der Geburt meiner Tochter . Ich habe mich selbst entschieden , drei Jahre nicht zu arbeiten . Ich habe meine Arbeitsstelle an eine Kollegin gegeben , die eine ungewollte Schwangerschaft hatte und verlassen wurde von dem Kollegen von uns , wo ich gesagt habe: So , dann sage ich von von vorne an: Ich komme nicht zurück . Du kannst meine Stelle haben und ich habe es gewollt , denn ich wollte eine Mutter werden mit 30 und war froh , eine Mutter zu sein und für meine Tochter da zu sein . Aber nun mache ich meinen ersten Versuch. Und jetzt - nicht wie am Anfang - habe ich Zeugnisse und sehr gute Referenzen und sehr gute Zeugnisse und alles drum und dran. Und ich komme und ich bin wieder ein Niemand. Und dann habe ich gesagt: ok. Einmal bist du ein Niemand, w eil du Ausländer bist , einmal bist du ein Niemand, weil deine Zeugnisse fehlen . Nun hast du Zeugnisse, nun kannst du Deutsch!

Nun kennst du die die Gepflogenheiten einer deutsche Gesellschaft mit allem drum und dran , so dass du nicht jeden duzt und und und und und .

Und jetzt ?

Und da bist du wieder die letzte an der Reihe . Ich habe gesagt , Ausländer haben mehrere Kompetenzen . Und wenn die deutsche Gesellschaft diese Kompetenzen nicht annimmt , verliert die deutsche Gesellschaft! Denn die bringen eben mehrere Kompetenzen .

Und ich denke , wir sind schon längst ein Einwanderungsland . Wir sind schon längst eine Multikulti Gesellschaft . Deutschland hat es aber zu spät erkannt und aus diesem Reichtum, nicht verstanden einen Reichtum wirklich zu machen . Und das ist schade , weil viele kompetente Leute auf der Strecke geblieben sind . Und das ist schade . Ich denke an die Refugees heute , wie viele Leute bestimmte Kompetenzen mitgebracht haben und welches Potential, super Potential sie mit sich bringen . Lass uns das nutzen , anstelle die verrecken zu lassen , ohne Arbeit und ohne Aufgaben .

Das ist keine gute Integrations- Möglichkeit, solche Leute , die gewollt oder ungewollt in Deutschland gelandet sind .

Und ich möchte nicht in deren Haut stecken . Lass uns deren Potenzial nutzen und nicht die in ihren Heimen nur existieren lassen , denn ein Mensch braucht eine Aufgabe , ein Mensch braucht einen würdevollen Umgang der Identität , ist auch ein Stück Heimat Identität bei der A rbeit, ist ein Stück Integration . Und wenn diese Identität nicht bewahrt wird , dann sehe ich die Integration , also gerade die Jugendlichen , die gekommen sind ohne Familie, die brauchen den Halt. Und den Halt können sie nur durch solche Aufgaben , durch so ein Berufsleben , durch solche Identität , die sie bekommen , durch ihre Berufsjahre finden. Gebt denen doch die Chance . Ich finde , Deutschland muss ein bisschen unbürokratisch die Sachen betrachten, wie im Norden .

Dann werden die Refugees auch besser integriert und zum Wohle Deutschlands und zum Wohle der Demokratie auch mehr bringen können . Und es dauert ein, zwei Generationen. Ja und? I st so ! Ich gebe zu , dass ich dem Osten gegenüber ein bisschen Vorurteile habe. Und es resultierte davon , weil wir eine Wohnung gesucht haben , eine Wohnung in Pankow , ein wunderschönes hellblau mit blauen Fensterläden , und es war das Haus der Residenz der nordischen Botschaften in Pankow . Und es war ein wunderschönes Haus , wo wir hätten hingehen können und hinziehen können , viel billiger als hier im Westend .

Und was ist ?

Als wir zurückgekommen sind , wollte ich ... Es hat geregnet... Und da wollte ich gern , dass meine Kinder was essen . Habe schnell im Supermarkt Brötchen und Käse und so weiter gekauft und habe gesagt: Ja , die Brötchen hast du beim Bäcker vorher , lass es schneiden und setzt dich dahin, wie alle andere Frauen mit Kindern , denn es regnet draußen . Plötzlich werde ich zitiert von der Frau , die die Brötchen verkauft .

Sagt die: Du nicht!

Dann sage ich: Warum nicht? Alle anderen sitzen hier auch ? Ich habe die Brötchen hier gekauft! Nein , nein , nein , nein , nein , nein , ist nicht zum Sitzen! Okay , dann habe ich gesagt, dann gehen wir und essen draußen. Und da sind wir zur Haltestelle gegangen, nach Pankow und haben gesessen . Haben unsere Brötchen zu Ende gegessen, Benny und Ruthi und wollten die Treppe runter , dann zu dem Bahnsteig gehen . Plötzlich kommt nach oben eine Gruppe Skinheads: Geh weg! Was geht ihr denn in einer Reihe, drei nebeneinander ?

Ihr habt hier keinen Platz! Geht zurück in eure Heimat! Ich habe so einen Schreck bekommen mit meinen Kindern! Wo ich gesagt habe: Sag mal, wo bin ich denn hier gelandet? Ich denke , solche Vorurteile sind schon längst weg! Welcome im Osten . Und das war mein Versuch , mein letzter Versuch . Also Gott hat mich bewahrt und ich bin nicht in den Osten gegangen . Und was geschah ? Nach der zweiten Operation , die ich hier gemacht habe , musste ich einen Kurplatz mir ergattern. Und ich bekam und bekam aber nur im Osten und ich wollte nicht und alle Freunde sagen: Mama , komm, Esther komm !

Die Vorurteile sind schon 30 Jahre her . 30 Jahre ist Zeit , dass du weißt , wofür wir diese Solidaritätsb eiträge bezahlt haben . Geh mal in den Osten, schau mal, wie schön der Osten ist. Und diese Vorurteile müssen endlich mal weg . Na und ? Und eine Ostlerin , alle Freunde meiner Tochter Ruth sind aus dem Osten, fast alle . Und alles sagen: Du musst hin! Du musst hin! Das ist nicht weit von der Tschechei . Da kannst du wenigstens dahin gehen . Da hast du wenigstens einen Ausweg, einen Fluchtweg .

Wenn nicht da , dann da . Aber, rechne damit, die Leute sind viereckig und sind stur und sind so und sind so !

Welcome im Osten .

Gut , okay , ich war so schwach und konnte sowieso nicht . Also geh ich! Und Gott sei Dank . Oder nicht ? Gott sei Dank, am ersten Tag bekam ich so einen Durchfall , dass ich nach 4 Tagen Quarantäne zurück nach Berlin gehen musste . Und das war meine erste Begegnung mit dem Osten . Er hat mir leid getan . Nun habe ich endlich mal den Osten , den Blick geöffnet und gesagt: ich nehme das auf mich und ich gehe in den Osten ohne Vorurteile und versuche mich zu öffnen usw.

Wobei ich sagen muss: Es war wie Deutschland 75, von der Kleidung her , von dem Gehabe , von dem Umgang her usw. . Aber die Leute waren sehr höflich und sehr diszipliniert . Und was mich sehr berührt hatte, ist ein Mann, er war vielleicht 75 , 80 , hatte gerade einen Kollaps gehabt und da war keine Ärztin und keine Krankenschwester . Und da habe ich ihn gebeten zu sitzen und bin schnell zu der Reinigungsf rau gegangen , habe gesagt , sie soll bitte die Krankenschwester die Not-Krankenschwester holen .

Das hat sie gemacht . Innerhalb von zwei Minuten kamen drei Ärzte , zwei Krankenschwestern und haben versucht dann den Mann zu betreuen , wo der eine Arzt , ein junger Arzt sagte zu dem Mann: Kommen Sie mal , gehen Sie an der Bahre in ihr Zimmer . Und da sagte die Oberärztin: Siehe Wunder , die Oberärztin: Nein , nein , nein , nein , nein , lass ihn nicht gehen! Lief ganz schnell , hat einen Rollstuhl geholt , hat den Mann hingesetzt und selbst den Rollstuhl geschoben .

Ich habe im Westen, auch ab 1975 und ich war privat versichert , niemals einen Oberarzt gesehen , geschweige denn einen Chefarzt , der bereit war , jemand zu schieben . Und das sage ich , das sind Werte , die nicht verloren gegangen sind . Und als ich die beim Abschlussgespräch gesprochen habe , sagte sie: Wissen Sie , ein Mensch ist ein Mensch , ob er Oberarzt oder was auch immer ist . Ich habe nur einen Titel . Das macht mich nicht aus , was ich bin . Und das fand ich sehr toll und habe gesagt: Das sind die Werte , auf die man zählen sollte .

Und tut mir leid , dass ich dem Osten gegenüber so ungnädig war , aber das hat mir sehr imponiert .

Meine Schwester und mein Schwager kamen zu Besuch mit den Kindern zu Ostern, zu unserem Pessach . Und ich wusste , dass der Vater meines Schwagers aus Magdeburg oder in der Nähe von Magdeburg stammt und wollte gern ein Besuch in Magdeburg oder bei Magdeburg starten und habe dann recherchiert .

Und es ist so , das war eine Familie mit vier Kindern . Itrac, der nach Israel gegangen ist, eine, die nach Südafrika gegangen ist , ein Bruder , der nach Peru gegangen ist und einen Bruder , der nach USA gegangen ist .

Und eine Schwester hatten sie noch, die die Schwester hieß Hildegard Kauschke, später , weil sie geheiratet hat . Die Familie wohnte in der Uckermark in Strasburg und ich habe die Geschichte der Familie versucht zu recherchieren . Habe natürlich erst Strasburg bei Elsass-Lothringen gesucht und nichts gefunden . Und dann kam ich auf die Idee , dass es in der Uckermark sein kann . Habe eine Verbindung zu einem Hugenotten im Parlament gesucht und Strasburg durch einen Journalisten gefunden .

Und die Frau vom Buchladen kannte die Familie , also die Vorfahren , kannte die Familie und tatsächlich... In dem Buch vom Strasburg, 740 Jahre Strasburg in der Uckermark, ist die Familie benannt worden . Die hatten eine Lederfabrik und da sie expandieren wollten , sind sie von der Uckermark nach Burg, bei Magdeburg umgezogen und hatten da eine Fabrik eröffnet .

Erst eine kleine Fabrik mit Werkstatt und so weiter für Leder , also für Schuhe , Stiefel , Taschen und so weiter und so weiter .

Mützen und Jacken , aber von Lederg erberei bis zur Herstellung hatten sie alles in der Fabrik gemacht und Manufaktur . Die Familie war sehr engagiert , auch in der Gemeinde . Der eine Bruder war von dem Großvater war der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Burg und der andere war eben der Leiter der Fabrik . So und 28 oder 29 haben sie eine neue Fabrik gebaut im Bauh aus- Stil . Ich habe sogar Bilder davon. Und mit einem Personenl astzug , was neu war. Für soundso viel tausend Kilo , wie auch Personenlastzug , was neu war .

1936 , hatte der Vater meines Schwager gesehen , dass dem Rabbiner der Bart abgezogen worden war, so dass die Haut abgenommen worden war und hat gesagt: Hier bleibe ich nicht! Und der war bei der Jugend- Olympiade, er war ein guter Schwimmer und war auch im Turnen Meister. Und hat die Jugendliche noch unter sich, der war unter 18 , der hat die kleineren Kinder dann unterrichtet und war sehr sportlich. Und plötzlich durfte er auch nicht mit trainieren . Und da hat er gesagt: Da mache ich nicht mit! Ich kehre nach Israel . Da war gerade die Jugendbewegung , die nach Israel die Kinder genommen haben. Er sagte: Papa , ich gehe! Die Eltern waren natürlich dagegen , aber da ist in so einen Kibbuz gegangen. Der hat dort seine Frau kennengelernt und die haben geheiratet und zwei Kinder bekommen .

Die Familie hat alles verkaufen müssen , weil das arisiert worden war für ein Appel und ein Ei. In deren Haus, bis heute, das war in der Bahnhofstrasse, stehen noch die Flaggenhalter .

Diese Vorrichtungen für die Nazi Flaggen , denn die Nazis haben deren Haus, das in der Bahnhofstrasse war und sehr zentral und groß war auch - über zwei Stockwerke oder drei Stockwerke - die haben es annektiert und haben dort eine Naziverwaltung geführt. Und sie mussten die Fabrik, die ab 1928 geöffnet war, für einen Appel und ein Ei verkaufen .

Später wurde das... In der in der DDR-Zeit hieß es "Der rote Stern" und das war das Depot für Kleidung , der Soldaten der Bundeswehr oder damals von der Armee in der DDR. Und nach Wende hat die Familie versucht - die hatten Ländereien - die hatten in der Bahnhofstraße diese dreistöckige Haus . Dann hatten sie noch ein paar Häuser und dann hatten sie da , wo die alte Fabrik war...

Alles steht noch brach , plus die neue Fabrik , die aber im Besitz ist - und sie wollten das zurückhaben . Dann hieß es: Ja , ja , aber dann müssen die bitte alle diese Jahre den Strom und Wasser und Ins tandhaltungskosten-Rechnung zahlen . Und von dem Wert des Hauses , wie auch der Ländereien und den Häuser , die ihr noch habt , und der alten Fabrik und der neuen Fabrik , bleibt nichts über . Also hat die Familie gesagt: Okay. Die eine Schwester sollte nach USA fahren. Die hat von dem Onkel eine Visum bekommen .

Und sie musste bei dem Visum für Hapag-Lloyd - der damals Reederei war - schreiben , was sie hat. Einen Tisch, einen Stuhl und so weiter und der Brief ist noch da . Und da wahrscheinlich war eine Nazi Bonze mit dabei, bei der Reederei , die gesagt hat: W arum schreibt sie das? Nur die Juden mussten s chreiben und proklamieren, was sie haben oder was sie nicht haben bei ihrer Ausweisung .

Also kam er auf die Idee , dass sie Jüdin ist . Er hat sofort jemanden verständigt in Berlin und da sind sie zu der Straße gegangen , haben erst den Bruder und den Mann von ihr genommen .

Die waren bei Siemens Zwangsarbeiter und haben die im Januar gleich verschleppt nach Auschwitz . Da kam keiner wieder . Die Frau mit ihren beiden Töchtern - und wir wussten zuerst nur von einer Tochter , weil die da Bilder noch hatte , die sie der Familie geschickt hatte, nach Peru und nach USA .

Und Helen hieß sie und die... Von der zweiten Tochter wussten wir nichts oder wusste die Familie nichts, weil der Kontakt abbrach. Und erst am 12. März , glaube ich , ist sie dann deportiert worden mit beiden ihrer Töchter und verschollen in Auschwitz ebenfalls . Und ein Lehrer hat diese Wohnung vermietet und wollte gern Spanisch lernen und hat inseriert und bekam eine Nachbarin , die Spanisch konnte , kam zu ihm ins Haus und sagte , sie könne Spanisch , sie könnte ihn unterrichten . Und die war schon älter, die war schon über 80.

So und da steht s ie an die Tür und sagte: Ja , hier wohnte Familie Kauschke , Helen und die andere Tochter hieß... Hab ich vergessen , leider .

Die haben hier gewohnt . Ich weiß noch , ich habe bei denen im Kinderzimmer gespielt. Und der hat es sofort aufgenommen, hat die Frau dann interviewt und hat recherchiert . Und tatsächlich , da wohnte Familie Kauschke da und hat dann Stolpersteine bestellt für diese Familie ... Und so ging der Kreis zu Ende . Ich bin dann nach Burg gegangen mit meiner Familie. Wir sind dann empfangen worden von der Priesterin und von dem Hugenotten- Verein und von einem Journalisten . Dann haben wir das Haus gesehen , die Fabrik gesehen , haben eine Begehung gehabt . Dann habe ich bei der Initiative "Stolpersteine" noch mitgewirkt und wir haben dann ein Buch rausgeholt und haben die Schule in die Straße dann mit involviert und dort die Stolpersteine ... Die waren zwar verlegt worden , aber wir haben dann die Stolpersteine... Über 38 Stolpersteine - plus die Mission hatte auch geholfen - haben wir so eine Schwelle dann gemacht. Das war auch sehr interessant . Ein Stück Geschichte , ein Stück Familieng eschichte. Und für meine Familie war es natürlich gut zu wissen , was geschah mit der Schwester , die nie nach Israel gekommen ist , die nie nach USA kam. War alles gekauft .

Ja , das Ticket war gekauft. Personalausweis , Pass für die Töchter .

Und so wusste die Familie von der Zweitgeborenen . Sie wussten nur von einer. Und die Frau Kaschke war Lehrerin für Krankenschwestern . Die hat in Frankfurt gearbeitet und ihr Mann war ein Geschäftsmann , der aus Polen -ehemaliges deutsches Gebiet - stammt und deshalb sind sie nach Berlin gekommen , weil er hier dann seine Geschäfte machen konnte . Ja . Unsere Geschichte ist sehr verwurzelt und meine Eltern haben die Deutschen auch erlebt in Tunesien. Deren Haus ist auch annektiert und die Nähs tube. Und als die Engländer gekommen sind , ist auf das Haus eine Bombe gefallen, so dass das Haus im Feuer stand. Und meine Oma war taub und hat die Kinder dann schnell eingesammelt, als das Feuer ausbrach. Und meine Mutter war die die erstgeborene Tochter und hat gemerkt: Ja , der kleine Junge, mit drei Jahren, fehlte . Und da hat sie zu Oma gesagt: Ich gehe nach oben . Nein , du sollst nicht noch oben! Doch, er ist noch da drin . Und meine Mutter ist dann zum Zweiten Stock gegangen und hat den Bruder runtergeholt . Und dann waren sie dann bei Nonnen untergekommen , in einem Kloster , wo sie bleiben konnte , denn die Männer waren in Zwangsarbeit .

Die mussten denn den Hafen tiefer graben , damit die Schiffe mit der Munition und mit den Panzern - da konnte man die Brücke, vom Schiff zum Hafen, die war nicht lang genug . Die Panzer waren zu schwer , die gekommen sind . Und deshalb hat man dann den Hafen so tief graben müssen , damit mehr Wasser... Und Steine ausheben , damit das Bassin so tief ist , dass die Schiffe dann näher kommen können . Und meine Mutter sagte noch: Mein Mann war der erste Deutsche den sie dann gesehen haben . Juden? Da! Kaputt! Kaputt schlagen. Das wussten sie. Die Wörter kannten sie noch. Da hat meine Mutter dann auch Typhus bekommen , dann in diesem Lager , wo sie waren , denn es waren sehr viele Frauen dort. Und die Männer waren dann in dieser Arbeitsstelle bei dem Hafen. Und mein Onkel , der große Bruder, der war 16 von meiner Mutter. Der ist mit seinem Freund dann weggelaufen. Und der ist nach Algerien und ist da , weil er blauäugig war ... Haben die Engländer ihn dann zu sich genommen , und gesagt: Du bist Franzose! Komm mal her zu uns! Und die haben ihn dann genommen und er war mit denen in dem Krieg und der ist mit denen - als sie dann von Algerien nach Tunesien reingekommen sind - mit denen nach Israel gegangen und hat mit den Engländern dann gearbeitet. Und so ist die Familie dann nachgekommen .

Der ist derjenige , der dann für die Engländer in Lod gearbeitet hat - wo er gesagt hat zu seinen Eltern: Kommt nach Lod , da ist Arbeit . Was wollt ihr da ? Die Deutschen haben euch geschlachtet , die Araber nach 1945 haben auch euch versucht zu schlachten . Kommt mal her, nach Israel , da werdet ihr frei . Also sind die hingegangen . Als ich nach Deutschland kam , haben immer die Leute mich gefragt , woher ich komme . Auf dem Markt oder irgendwo anders , wo ich gekauft habe .

So , dann hab ich gesagt am Anfang, nur als Witz: Rate Mal! Aus der Türkei! Nein! Spanien? Nein! Italien? Nein! Griechenland ? Nein , ja wo denn? A us Israel!

Ahhh! Das ist was anderes! Aus Israel, das war für sie was anderes , was lukratives. Etwas anderes. Es ist eine andere Skala . Und wo du gemerkt hast , die Leute hatten immer Angst , dass sich die Frage: Wo warst du denn in der Zeit ? Was hast du gemacht oder was haben deine Eltern gemacht in der Zeit ? Und es war eben so. Das war aber lustig , dem zu begegnen und so in diese Qualifizierung hinein zu geraten .

Juden waren was anderes , Israelis schon gar nicht . Also das ist eine ganz andere Welt . Eine ganz anderes M ilieu! Okay , habe ich gesagt , ist in Ordnung!

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Esther

Esther ist in Israel aufgewachsen. Nach ihrem Schulabschluss lernt sie mit Anfang 20 ihren zukünftigen Mann im Zug kennen. Er kommt aus Deutschland. Sie führen zunächst eine Fernbeziehung und verbringen das letzte Jahr von Esthers dreijährigem Armeedienst, gemeinsam in Israel. Dann zieht Esther nach Deutschland und lebt anfangs bei ihren Schwiegereltern. Ihr Mann arbeitet bei der Bundeswehr. Ihr gemeinsamer Plan ist es nach ein paar Jahren nach Israel zurückzugehen, um dort zu leben und Kinder zu bekommen. Es kommt alles ganz anders und so lebt Esther noch heute mit 67 Jahren in Deutschland, mittlerweile in Berlin.

Das Interview wurde initiiert von Nina Krause und geführt von Anna Chrusciel. Fotos: Archiv von Esther. Audioschnitt: Maxim Strzebkowski. Transkript: Julia Michael, Happy Scribe.

Die Geschichte von Esther wurde am 23. September 2021 im Rahmen von „10+1 Lebensgeschichten im Stadtraum“ in einer Erzählperformance von Schirin Zareh und Esther am Walther-Benjamin-Platz aufgeführt.

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