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Swantje

Zwischen den Welten

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Swantje

Mein Name ist Swantje und ich bin aktuell 34 Jahre alt und eine Ur-Berlinerin. Zur Zeit bin ich im sozialen Bereich tätig , arbeite auch mit anderen hörbehinderten Menschen. Das ist ein sehr breites Feld . Man lernt ja das ganze Leben hindurch. Aber meine Lernanfänge: Ich bin im Norden von Berlin groß geworden, dort bin ich auf eine Regelschule gegangen , d.h. auf eine normale Schule für hörende Menschen . Aber bei mir hat sich auch die Frage gestellt , weil ich schwerhörig bin, ob ich eine besondere Schule besuche , wo dann auf meine Bedürfnisse eingegangen werden kann .

Und da war es aber so , dass von Anfang an auch geschaut wurde , wie das so klappt . Vor allem bezogen auf den Aspekt Kommunikation und dann bin ich bei mir in der Nähe von meinem Elternhaus beschult worden auf einer Privatschule. Ich hatte durchgehend in meiner gesamten Schulzeit bis zum Abitur eine Einzelfallhilfe zur Seite, die mich auch unterstützt hat. Das ich auch alles verstanden hab. Ich wir noch mal wiederholt und waren in der Grundschulzeit Wotschatzübungen auch ganz im Vordergrund . Da hatten wir immer so eine Art Vokabelheft geführt , dass wir Fremdwörter oder schwierige Wörter aufgeschrieben haben . Ich musste es mit eigenen Worten dann daneben erklären und dass ich dann Wortschatz einfach erweitere. Weil im Gegensatz zu hörende Menschen : Ich schnappe nicht Wörter nebenbei auf und lerne deren Inhalt nicht so nebenbei und muss mir das sehr aktiv aneignen . Durch Nachfragen , durch erklärt bekommen , durch Nachlesen .

Und da hatte ich dann in den ersten sechs Schuljahren eine Einzelfallhelferin und das war auch schön , dass das nur eine Person war . Und dann hat sich das auch gut gefühlt . Ich dann bis zum Abitur eine andere Person als Einzelfallhilfe hatte . Die Person ist dann also durch mich dann auch an die Schule gekommen , ist dort auch Lehrer geworden und hat dort sein Referendariat gemacht , ist dort geblieben und es hat ja auch gut geklappt in Rücksprache mit dem Schulleiter und so , dass ich dort , dass er dann trotzdem mein Einzelfallhelfer bleiben konnte und mich dann gut unterstützen konnte , also dass ich Inhalte, die ich akustisch nicht verstanden habe, dass ich die einfach noch mal wiederholen konnte und also lernen konnte . Also besser lernen konnte , verstehen konnte , als wenn ich jetzt hätte alles aus eigener Kraft hätte verstehen müssen . Und das war für mich immer noch eine Rückversicherung , eine Möglichkeit , noch mal nachzufragen und zu überprüfen , ob ich auch alles verstanden habe oder ob es irgendwo Schwierigkeiten gibt , die ich dann in diesem Setting dann auffangen konnte . Ja , aber sonst fiel mir das Lernen immer leicht . Ich hatte immer gute Noten in der Schulzeit und hatte . Nie besonders herausragende Schwierigkeiten . Das war auch mein Glück , das hat mit den Lehrern auch immer gut geklappt und wurde teilweise auch auf mich Rücksicht genommen, dass dann g efragt wurde , ob ich bestimmte Lehrer besser verstehe , also akustisch , also von der Stimme her , dass ich den auch besser folgen kann im Unterricht . Weil das ja , es gibt Menschen , die haben eine Stimme , die für mich nicht so gut hörbar ist . Und das macht natürlich das Verstehen der Inhalte noch schwieriger . War auch immer neugierig und offen und und war auch nie eine Frage für mich , ob ich das Abitur mache . Also was man später mitbekommt , von anderen Freunden ob hörend oder auch hörbehindert das sich ja manchmal schon die Frage stellt: schafft man das Abitur? Aber da hatten auch meine Eltern mich immer unterstützt und gesagt , wir gucken einfach , wie es für dich klappt und und wenn sich Schwierigkeiten ergeben sollten , dann schauen wir einfach , ob es eine andere Schule gibt. Also wir hatten uns auch andere Schulen angeschaut . Ich glaube einmal zum Wechsel zum Gymnasium , so als Vorbereitung . Was ist , wenn ich doch nicht die Empfehlung bekomme fürs Gymnasium . Wir haben auch andere Schulen besichtigt. Die waren auch spannend . Aber die Frag hat sich für mich irgendwie nie gestellt . Also ich bin immer gut mitgekommen und bin dann auch auf der Schule , die von der ersten bis zur dreizehnten Klasse noch damals ging, da bin ich halt auch geblieben. Irgendwann ist mal die Option erwogen worden , ob ich auf eine Schwerhörigenschule gehe . Und die eine hatte ich mir auch eine . Es gibt ja in Berlin zwei Schwerhörigenschulen und die eine hatte ich mir angeschaut im Westen von Berlin . Also habe ich gemerkt , dass das ein ganz anderes Lernenniveau war . Die haben Sachen behandelt , die für mich schon längst fertig waren . Und da war ich auch echt erschrocken , dass sich das so . Das Niveau so unterscheidet. Und deswegen war das für mich keine Option . Und ein anderes Mal hatte ich mir eine andere Schule angeschaut , wo man auch Abitur machen konnte . Im Zentrum von Berlin , und die wäre durchaus was gewesen , aberhalt super weit weg . Also über eine Stunde Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und da war die andere Schule bei meinen Eltern , die war mit dem Fahrrad 10 Minuten weg und es ist natürlich . Also ich habe es immer genossen , dann auch mit dem Fahrrad hinzufahren , auch selbstständig zu sein .

Die Option , stand immer im Raum , wenn ich nicht mehr mitkomme, dass ich wechseln kann. Aber von den Inhalten her war das nie ein Problem . Abitur habe ich sehr gut geschafft und weil ich nur gemerkt habe , man lernt ja nicht nur inhaltlich. Auch das soziale Lernen ist ja auch total wichtig und ein soziales Umfeld und ich habe auch schon Schulfreunde gehabt war ein kleiner Schock , aber ich hatte sowieso den Eindruck , die Schulklasse , in der ich war , das war jetzt auch nicht son Gesamtverband, der so super eng miteinander war , sondern es gab dann diese einzelnen Grüppchen und . Weil Ich habe dann vieles auch nicht mitbekommen . Wenn ich dann in den Bankreihen auf meinem Platz saß , da wurde ja auch immer geguckt , dass ich einen guten Platz habe, wo ich möglichst alles mitbekomme akustisch. Die um mich herum habe ich ganz gut verstehen können , die weiter weg , desto schwieriger wurde es für mich . Und damals kannte ich auch eine Mitschülerin ,die war auch schwerhörig , aber ich kannte sonst eigentlich so gut wie keine anderen schwerhörigen Kinder oder Erwachsene .

Ich hatte auch keine Vorbildfunktion , so richtig . Und es ist immer so gewesen , ich wollte immer so sein wie alle anderen , aber trotzdem habe ich immer das Gefühl , ich bin anders. Ich habe eine andere Lebenserfahrung , Lernerfahrungen, eine andere Wahrnehmung , Empfindung . Und es ist immer ein bisschen wie so wie eine gläserne Wand dazwischen . Ich bin irgendwo dabei , aber trotzdem. Ja mit meinen Freunden hat es auch gut geklappt . Also es ist Rücksicht genommen worden und oft hat man es auch einfach nicht gemerkt , dass ich schwerhörig bin. Aber in anderen Punkten , dann geht es darum , dann wird man erwarten .

Dann kommen andere Themen auf und dann findet man Jungs auch interessant , oder ? Aber da habe ich immer irgendwie so eine Distanz gespürt oder eine Unsicherheit und schon auch ein Gefühl von: ich bin nicht ganz gleich . Aber es war damals schwieriger für mich , das in Worte zu fassen oder auch das zu benennen . Es hat eigentlich immer gut geklappt , aber dann habe ich in der elften Klasse das erst Mal an einer Freizeit teilgenommen , wo ganz viele andere schwerhörige junge Menschen waren. Meine Mutter hat mich gefragt , ob ich da teilnehmen möchte und ich sage Ja okay , kein Thema , aber es war eben Monate davor hat sie mich angemeldet und dann , als dann konkreter wurde: um Gottes willen , was tut ihr mir da an? Es gibt auch noch Fotos davon, wie ich dann da stehe. Es war eine Segelfreizeit und total misstrauisch die anderen beäugt habe. Und ich hatte halt immer noch das Bild von der Schule Schwellenschule im Kopf , wo ich einfach gemerkt habe , es war auch nicht das gleiche Niveau , nicht die gleiche Austauschbasis irgendwo. Und ganz andere Themen , ganz andere Lebenswelten und ich hatte Schwierigkeiten , mich darauf einzulassen . Und da die Freizeit war wirklich so ein Wendepunkt, 2003 , also da habe ich dann andere wie ich , die auch an der Regelschule waren , die dieselben Erfahrungen gemacht haben und die auch dieselben Umstände hatten , auch für sich allein .

Auch mit Freunden . Aber eben dieses Empfinden . Vielleicht könnte man dann den Moment ohne Worte miteinander feststellen und . Und das war für mich so ein Startschuss . Danach war ich ganz viel in diesem Bereich und dessen habe ich gemerkt , wie sehr mir dieses Umfeld so gefehlt hat . In der Schule und und dann waren auch einige dabei , die auf der Schwerhörigenschule waren in Mitte . Da habe ich gemerkt , wenn man diesen Klassenverband hat , dieses soziale Lernen , die haben dann auch ganz viel miteinander gemacht .

Am Wochenende weggehen , Party machen , was man so anfängt . Da war noch nicht so bei mir. Aber durch diesen Kontakt fing das dann . Da habe ich dann immer gemerkt : Das eine ist, dass ich einerseits viel lernen wollte , also gut mitkam vom schulischen Niveau und auch den Anspruch wollte . Also ich kam ja auch mit und ich wollte auch eine gute Leistung erbringen . Aber gleichzeitig ist es ja auch dieses soziale Umfeld , das so wichtig ist. Auch für die eigene Entwicklung , Identitäts entwicklung.

Und das ist da angestoßen worden . Das war wirklich ein Wendepunkt . Und davor . Also es hat immer alles gut geklappt , aber ich erinnere mich so schlecht an vieles. Und ob das auch damit zu tun hat , dass es alles ein bisschen diese gläserne Wand , so ein bisschen manchmal , wie man als Zuschauer gefühlt . Und weil es ist ja um mich herum auch total viel passiert , damit ich da auch gut mitgekommen bin . Ich hatte dann eine Ambulanzlehrerin , die mich begleitet hat , dann den Einzelfall Hilfe . Man hat geschaut hat , dass die Räume entsprechend ausgestattet waren .

Das es nicht so hallt mit Teppichboden mit allem. Das eben eine gute Lernumgebung da ist und . Aber ich bin halt immer mitgelaufen und ich wollte aber nie so im Mittelpunkt stehen . Also eben weil ich dann so eine andere Art von Aufmerksamkeit bekommen habe , die aber bei vielen auch eine Art von Neid aufkommen leiß oder Missgunst oder eben nicht verstanden haben , worum ich das dann brauche . Weil das ist ja auch der Tricky an der Schwerhörigkeit Es klappt ganz gut . Wir verstehen doch einander . Ich kann ja auch sprechen .

Aber sobald es mehrere Leute sind , bin ich raus und ich bin auch k.o .dann. Also ich kann dann nicht mehr . Ich hatte auch in der Grundschulzeit immer Kopfschmerzen nach Schulschluss. Man hatte mir auch mal gesagt ich kann rausgehen , ich kann mir Pausen holen. Aber wozu . Und dann habe ich ja schon wieder den Sonderstatus und den wollte ich nicht . Aber mir war auch nicht so klar , dass es einen Grund gibt , dass die Pausen mir zur Erholung dienen sollen.

Das war mir gar nicht so bewusst . Das ist diese Ambivalenz , die in mir drin war und . Ich war ja in gewisser Weise , ich hatte noch eine beste Freundin , die hatte für mich viel mit geschrieben oder ich durfte viel abschreiben oder es hat sich dann so ergeben und da hat mir auch viel geholfen . Aber trotzdem ist es immer eine gewisse Abhängigkeit , die dadurch besteht . Ich war ja dann auch so froh , als ich studieren konnte . Ich konnte gestalten , ich konnte entscheiden .

Ich ich könnte auch sagen , wo ist meine Grenze und so und ich habe natürlich damals zu Beginn des Studiums noch nicht so klar definiert oder kommuniziert . Aber ist das Gefühl von Abhängig sein , Ausgeliefertsein etwas aushalten müssen, das kann ich gar nicht ab . Also die Autonomie und selbst entscheiden zu können . Oder zu sagen: Ich gehe jetzt raus aus der Situation . Ich muss mir das nicht antun . Ich muss hier nicht sitzen und so tun , als wenn ich alles verstehe und verstehe aber eigentlich nichts .

Oder ich muss eine Veranstaltung nicht besuchen , wenn die für mich nicht verständlich ist . Also wenn da keine Form der Barrierefreiheit gegeben ist . Aber das habe ich früher viel gemacht . Also muss man dazu sagen , dass die Schule , wo ich war , auch eine konfessionelle Schule war . Und da gab es dann immer Andachten . Ich habe dies zum großen Teil nicht verstanden . Klar , ich bin dann auch christlich aufgewachsen und also . Aber das war für mich nie . Ich habe dann auch mal meine Schwierigkeiten. Auf der einen Seite ja wir sind eine Gemeinschaft und die christlichen Werte und wir supporten uns und sind füreinander da und man hilftt den Schwächsten oder gibt ihnen das , was drinsteht .

Aber du und es ist ja auch irgendwo gelebt worden , dann aber . Aber im schulischen Umfeld habe ich das nicht so gespürt. Und da war es dann doch so, die Coolen wollten unter sich sein. Und ich fühlte mich damals nicht so cool . Naja , und dem Gefühl ausgeliefert zu sein oder das aushalten zu müssen . Ja , es gab Zeiten , verschiedene Situationen und und ab dem Studium, also als ich dann fertig war mit der Schule, war ich erst mal ein halbes Jahr in Indien und habe dort ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht und dann zurück und wusste ich nicht , was ich studieren wollte .

Aber auch da war für mich nie eine Frage , ob ich studiere . Also habe ich rückblickend auch gemerkt , dass das eigentlich total das Privileg ist, dass ich einfach sagen kann Ich wähle mal aus, was ich studieren wil . Oder Ich habe ne riesen bandbreite , also Zugangsmöglichkeiten . Es gab schon berufst Richtungen , wo ich dachte mit der Schwerhörigkeit das geht dann schlecht , weil das zu viel Kommunikation ist . Aber trotzdem hatte ich nie so ein Gefühl von . Okay , das ist mir zu hoch , das ist mir zu viel vom Studium , von den Inhalten , von den Ansprüchen . Und dann hatte ich halt eher die Qual der Wahl, dass ich nicht wusste. Ich habe so viele Interessen und das ist ja dann auch so eine Lebensentscheidung . Also in welche Richtung geht man und dann sollte man ja idealerweise auch in der Richtung bleiben , also den Weg , den man einschlägt , beruflich auch ausbaut , aber . Da bin ich erst habe ich überlegt , die künstlerischen Weg einzuschlagen , aber da war mir das dann von der Kommunikation eben habe ich gemerkt , dass es sich ganz viel um Netzwerke dreht , viel über dieses Klüngeln und Aufträge bekommen und so. Das habe ich gemerkt , dass es mir zu oberflächlich und zu anstrengend dann doch ist . Da musste ich dann doch lernen, dass es für mich Grenzen gibt bzw. ich nicht Lust habe , mich zu viel dafür zu verausgaben . Dann habe ich noch Biologie überlegt , ob ich das mache . Ich war dann auch zwei Wochen an der FU und habe gemerkt Ich finde es total spannend , aber zu arbeiten in diesem Bereich kann ich mir nicht vorstellen und .

Genau , dann habe ich doch gesehen , dass man an der Humboldt-Uni Rheabilitations -Pädagogik studieren kann und habe das dann gemacht , weil es nicht auf Lehramt war . Ich wollte nicht Lehrerin werden und dann habe ich genau zwei Jahre nach dem Abitur angefangen das zu studieren und war ganz entspannt . Und weil ich immer sehr spannend die verschiedenen Seminare , die man besuchen konnte , da konnte ich das selber steuern und so ! Und ich hatte ja noch das Glück , das ich es auf Diplom gemacht habe als einer der letzten , dann wurde danach der Bachelorsystem eingeführt und es hatte natürlich mehr Auflagen , also enger reglementiert .

Ich konnte ganz entspannt das Studium durchlaufen und hatte natürlich auch Prüfungsphasen , aber . Ja und ja , die Studienzeit war schön. Ich Hab auch Freunde gefunden und auch das Weggehen hab auch viel nachgeholt von dem , was einige schon wähend der Schulzeit anfangen haben . Und das war schön . Ich habe nebenbei immer gejobbt, so kleine S tudentenjobs gehabt . Und das fand ich spannend , dass ich dadurch immer so viel Praxis-Einblick bekommen habe . Ich habe auch ganz verschiedene Arten von Nebenjobs angenommen , weil ich immer auch neugierig war , wie ist es denn , da zu arbeiten in dem Bereich ? Also mir war immer klar , dass ich das dann nicht dauerhaft machen möchte im Supermarkt oder auch als Einzelfallhelferin gearbeitet . Aber man kriegt ja immer Einblicke und man lernt ja immer was dazu . Und ich habe gemerkt , dass ich vom Typ . Also ich glaube , dass sagt man heut nicht mehr so , dass es so Typen gibt , aber lerne eher über die Praxis. A lso das rein Theoretische . Also das habe ich dann auch später gemerkt , was man in der Schule gelernt hat .

So viel Theorie , so viel . Wissen ja , aber diese praktische Anwendung oder diese praktische Umsetzung , dass das eben die Erfahrung , wenn es um ethische Vorstellungen geht und das ist gar nicht so einfach ist , das es vielleicht schön auf dem Papier ist zu sagen , aber dass man auch merkt , wenn man dann selbst in der Situation steckt , dass man dann doch schon auch noch mal andere Gedanken zu dem Thema hat , die man vielleicht nicht haben möchte aus ideologischen Gründen oder so.

im Studium hatte ich ja zum Beispiel auch gehabt , dass ich . Dann also ethische Seminare hatte und . Und dann später ein Praxissemester machen musste und dann auch in einer Einrichtung mit Menschen mit Behinderung gearbeitet habe mit verschiedenen Behinderungen. Das hat viel Spaß gemacht . Das war Eine tolle Erfahrung , aber da habe ich dann auch verschiedene Meinungen auch mitbekommen und dachte , da geht's ans Eingemachte . Und das Beispiel bei dieser Frage Wie verhält man sich zu bestimmten Themen , in welche Moralvorstellungen hat man da auch ?

Und wie ist das in der Praxis? Wird das so gelebt oder nicht ? Und deswegen habe ich auch gemerkt Da bin ich so froh gewesen um die praktischen Erfahrungen , weil die mich noch mehr geprägt haben als das Studium . Also die Theorie ist schön , wenn man dann irgendwelche Texte liest , aber die bleiben bei mir nicht so hängen wie die konkreten Erfahrungen , die man dann macht . Und da habe ich dann auch gemerkt , dass dann finde ich , dass die Ausbildung ssturktur eigentlich viel besser. Denn es ist viel praxisnaher und wenn man studiert , das ist dann immer so schön .

Man ist auf irgendwelchen Sphären unterwegs und ist so ! Schön , aber es ist teilweise schon ein bisschen weltfremd oder fremd von der Realität . Deswegen habe ich mir dann immer Nebenjobs gesucht oder Praxis möglichkeiten. Durch diese eigenen Erfahrungen oder Erleben von konkreten Situationen etwas ga nz anderes ist und einen viel konkreter schärft als wenn man sich vielleicht etwas auf dem Papier durchliest und so. Ja , also genau dann habe ich irgendwann das Studium beendet . Ein bisschen überzogen , aber ich habe es auch entspannt gemacht . Hatte dann nämlich schon zum Ende des Studiums bei meinem jetzigen Arbeitgeber ein Praktikum gemacht und in Deutschland gearbeitet .

Und dann hat sich das so hingezogen mit der Abschlussarbeit . Aber irgendwann habe ich gemerkt: jetzt möchte ich aber auch vernünftig bezahlt werden . Nicht nur will Studentenlohn und habe mich da noch mal hingesetzt und dann die Abschlussarbeit geschrieben , Abschlussprüfung gemacht und man hat ja , weil es einfach ist , ein bisschen der Nachteil beim Diplom Studiengang sehr entspannt . Vorher ist es sehr entspannt im Studium , aber dann kommen diese geballten Prüfungssituation , die kommen dann alle zum Schluss. Das ist ja beim Bachelor ein bisschen anders . Da kriegt man ja immer wieder dann solche .

Prüfungssituation ist ja immer schon ein bisschen schneller drin in diesem Modus . Dann bin ich erst mal sechs Wochen auf eine Fahrradreise habe ich eine Fahrradtour gemacht nach dem Abschluss des Studiums und wollte unbedingt eine große Reise machen , aber finanziell musste ich auch gucken. Ich hab das mit meinem Exfreund gemacht und tolle Reise durch Europa von Berlin mit nach Venedig gemacht und war auch so toll, weil es eben eine Fahrrasreise war und wir jeden Tag weiter gefahren sind . also fast jeden Tag . Wir sind auch in mal Städten geblieben und dann in Wien ein paar Tage geblieben oder in kleineren Städten dazwischen .

Und das Schöne war man ist mit so vielen Menschen auch ins Gespräch gekommen . Wir haben meistens auch auf Campingplätzen übernachtet . Da habe ich auch gemerkt, die Kultur dort ist auch noch mal ein bisschen offener . Da ist ja auch immer die Frage Wo kommst du denn her und hin ? Wo gehts denn hin? Und dann sieht man , dass jemand mit Fahrrad und Gepäck kommt . Das ist ja dann auch nochmal sone Leistung, wenn man es denn schafft , so eine Fahrradreise zu machen .

Und dann ist da also auch eine Situation gewesen in . Italien, in Norditalien angekommen und in einem Geschäft und die Besitzerin von dem Geschäft war auch ein künstlerisches Geschäft . Ich habe . BEsonders ausgewählte Wohnartikel. und die kam tatsächlich aus Deutschland , aus Ostfriesland und und war dann so ein Zufall , dass man dann eine Einwanderin getroffen hat , die sich dort ein neues Leben aufgebaut hat . Und wir haben ein tolles Gespräch geführt und aber was mir von ihr bis heute hängengeblieben ist das auch .

Diese Aussage Schritt für Schritt . Also Step by Step. Das war für mich auch so eine Markierung dieses eine Jahr darauf hinarbeiten , vorher auf die Diplomarbeit abzuschließen , dann die einzelnen Prüfungen , die noch gemacht werden mussten , waren ja immer so kleine Meilensteine und . Und dann hat man ja das Ziel plötzlich erreicht , dann ist man ja fertig , aber das sind ja alles Schritte , die ja aufbauen , um das zum Abschluss zu bringen und . Und da ist aber so viel im , dass man ja auch immer die Vorstellung hat , dass es Okay , ich will das erreichen , ich will das machen , aber da hat man ja immer die Vorstellung man ist schon an dem Ziel , aber dieser Weg dazwischen , der wird gerne ausgeblendet oder ? Das ist auch so anstrengend sein kann oder dass man dazwischen echt einmal alles über den Haufen werfen möchte und und dann hat man es doch auf einmal eines Tage geschafft und ist fertig und denkt Was macht man mit all der Zeit und und und . auch die Fahrrad reise war symbolisch , wenn man jeden Tag ja auch nur eine gewisse Anzahl von Kilometern schafft und auch teilweise den Witterungsbedingungen ausgeliefert ist , wenn man sagt Okay , es regnet heute zu stark , wir bleiben noch länger oder ich hatte einen Platten .

Wir konnten nicht weiterfahren , mussten das reparieren lassen und es war ein bisschen sinnbildlich für diese ganzen Sachen , die man ja vorher geschafft hat . Und dann hat diese Frau gesagt Step by Step . Und das sage ich mir auch heute noch in Gedanken , Schritt für Schritt eins nach dem anderen. Und das aber dann auch zu genießen . Also auch diese Schritte wertzuschätzen und die sind genauso wichtig . Der Weg ist das Ziel . Das passt ja auch dazu .

Und es ist so komisch , es ist so hängen geblieben . Die Fahrradreise haben wir dann geschafft und auch komisch so ausgebremst zu sein, also anzukommen, früher als geplant und mussten dann aber warten , weil wir ein Ticket für die Rückfahrt nach Berlin schon fest im Voraus gebucht hatten . Weil mit Fahrrad kann man das nicht einfach so spontan machen . Und dan n saßen wir eine weile in Venedig und aber eigentlich wollte man weiter .

Also man weiß , wo drin im Rhythmus wird . Und diese Erfahrung finde ich interessant zu merken , dass man dann doch den Drang hat , weiter zu machen , mehr zu wollen und mehr sehen zu wollen . Aber eben immer mit diesen Schritt für Schritt . Und dann habe ich mich auf die ArbeitsSuche begeben , weil ich dann meinen Abschluss gemacht , mich darauf konzentriert , nicht mehr gearbeitet . Und dann aber bin ich zum selben Arbeitgeber zurück gekommen , bei dem ich schon während des Studiums gearbeitet habe .

Und mit dem arbeite ich heute noch . Und im Arbeitsleben geht die Zeit ganz anders um . Also . Das ist ja dann doch Zeiten . Der Alltag ist gleich , ähnelt sich mehr und das Zeitgefühl ist ein anderes . Beim Studium ist ja immer noch vieles neu und dann bleiben die Eindrücke auch noch mal mehr hängen . Aber jetzt ist die Zeit schnell herumgegangen schon 2017 habe ich angefangen zu arbeiten . Also richtig am Studi enabschluss zu arbeiten . Und habe eigentlich letztes Jahr auch ein Sabbatical einschieben wollen halbjährlichen Sabbatical fing im Januar an und Mitte März kam , musste das abbrechen und ich wollte dann auch noch in Südamerika .

Insgesamt wollte ich ich in Südamerika ein halbes Jahr verbringen . Aber es wurden dann nur sechs Wochen . Genau wegen Corona Dann haben haben die Grenzen au ch alle zugemacht . Dann habe ich gedacht nein. Wenn es dann wirklich doch schlimmer wird , dann möchte ich nicht in dem Land bleiben . Ich war zuletzt in Kolumbien . Ich habe mir Sorgen gemacht um die Familie und Freunde . Und wenn , dann , wenn es schlimmer wird , dann möchte ich da sein , wo m eine wichtigsten Menschen sind .

ich war ja auch völlig alleine da und kannte auch niemanden in Kolumbien und dann auch zu merken , wo die Prioritäten sich verschieben . Ich hatte ja vorher schon auch diesen Traum zu reisen und ich wollte auch ganz viel lernen . Ich hatte die Sprache angefangen zu lernen Spanisch und wollte andere Menschen kennenlernen , auch Kulturen kennenlernen . Ich hatte ja auch geplant , es gibt ja die Möglichkeit gegen Kost und Logis mit arbeitet mit anpackt und man einfach ein bisschen eintaucht in das Leben dort .

Aber als es dann so ersnt wurde. Man konnte es ja damals überhaupt nicht abschätzen welches Ausmaß dieses Virus hat. Wie schlimm das wird , war ja alles noch so zu Beginn . Habe ich gemerkt , das ist alles so unwichtig . Ich hatte auch überlegt , ob ich dann an die karibische Küste von Kolumbien reise und dort d ausharre, bis das Ganze vorüber ist . Dann wäre ich ja heute noch da. So schön der Strand vielleicht auch sein mag , oder aber da gibt mi r alles nichts. Das ist mir alles so unwichtig. Ich wollte zurück zu meiner Familie , zu den Menschen , in mein Zuhause und und da habe ich gewusst , dass jeder jedes Reiseland mir völlig unwichtig .

Und das fand ich auch interessant . Diese Erkenntnis also . Weil sich ja auch gerade in der heutigen Zeit auch so gehyptet wird Reisen, das ist so wichtig und da habe ich gemerkt , dass für mich meine Werte , meine Ausrichtung eine ganz andere ist. Mein Kompass , mein Zentrum ist hier in Berlin . Meine Familie wohnt in Berlin und freunde oder bzw. auch in Deutschland verteilt , aber das ist der Ausgangspunkt . Und ich meine , ich bin auch dankbar für die Einsicht , weil man sich auch über seine eigenen Werte oder gar nicht so im Klaren und .

Und solche krisenhaften Situation lassen einem das schnell klar werden . Ich habe mir echt überlegt , was ist mir jetzt wichtig oder wichtiger oder worauf kommt es mir an ? Aber ich habe dann auch den nächstbesten Flug dann gebucht . Dann kamen stündlich die Nachrichten rein . Das Land schließt die Grenzen , das Land schließt die Grenzen in Südamerika . Dann habe ich gedacht: ich komme hier irgendwann nicht mehr raus . Und die Unsicherheit bei mir . Und ich dachte egal. Ich nehme mir den nächstbesten Flug , der hier abdüst und war mir egal wie teuer das war und und dann habe ich das einfach so gemacht und kurz darauf hat Kolumbien auch die Grenze geschlossen und also man hat ja dann auch mitbekommen , das Auswärtige Amt hat da noch viel gemacht , aber das war dann schon ein bisschen krass.

Mir haben ja auch viele menschen gesagt: Mensch, du arme! Du hast dir sowas Tolles überlegt , eine Reise , die du abbrechen musstest . Ja , auf der einen Seite klar , ist es schade , aber ich letztendlich . Entweder ich hole es dann nochmal nach , aber es war mir nicht so wichtig wie zu Hause zu sein und ich habe dann über zwei Monate bei meiner Schwester gewohnt mit ihrer Familie , und ich habe immer gesagt , ich wollte meine Nichten besser kennenlernen und es war ein Geschenk . Also die Zeit , die ich mit denen hatte .

Ich hatte dann , ich konnte nicht zur Arbeit zurück , weil ich auch mit Kurzarbeit und weil einfach die Vereinbarung so . Und dann hatten sie mir angeboten , dass ich bei ihnen wohnen kann . We il Haus mit Garten , auch ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit . Das war ja auch immer eingeschränkt . Natürlich im Alltag ist immer schwierig gewesen , auch den weiten Weg in Berlin , sind ja auch immer , weite Wege , die man da hat , von A nach B und und . So habe ich meine Nichten beim Homeschooling begleiten können und haben wir einfach viel zusammen gemacht .

Das war son Geschenk . Das hätte ich so nicht machen können im Arbeitsalltag . Deswegen . Viele haben immer gesagt: Mesch, das ist ja verlorene Zeit , Aber das seh ich nicht so. Und ich sehe auch keine an. Auch rückblickend , weil ich ja vorhin beschrieb , dass sie es aushalten müssen . Also ich habe ja auch was gelernt dadurch , ich habe ja auch Geduld gelernt oder Menschen beobachten , denen gelernt , oder ? Also Langeweile ist nicht gleich Langeweile oder so , aber ich habe auch gelernt , sehr gut mit mir alleine auszukommen .

Es gibt ja Menschen , die , die können nicht alleine sein , können nicht ruhige Momente aushalten . Ich habe mich auch so eingerichtet . Ich habe so viele Interessen entwickelt und lange Zeit war auch immer mein Spruch Ich bin offen für alles . Aber ich denke mir also vieles kenne ich nicht und man kann ja nicht alles kennen . Aber ich denke mal so: probiers doch aus . Und dann kann ich immer noch sagen es gefällt mir nicht oder ich mache es nicht . Aber es gilt auch nur für mich bedeutet nicht , dass ich für eine andere Person gilt . Also ich glaube auch , dass jede Situation , also wenn sie nicht eintritt wie geplant. Wie mit meinem Sabbatical, dass es nicht in Südamerika stattfinden konnte . Dafür aber was anderes: Das ist dann genauso toll . Das ist nicht besser , nicht schlechter . Das ist Auch ohne Wertung zu sehen , wenn man auch offen bleibt . Okay , das ist jetzt nicht so , wie es gedacht war, wie es geplant war . 80 prozent der Pläne kommen ja eh nicht so wie jetzt geplant sind .

Aber dass man einfach mit dem , was dann kommt oder wie sich das einstellt , alles versucht offen zu bleiben und das auch als Geschenk sehen kann und und ich glaube , dass ich das ganz gut kann . also neue Situationen auch positiv sehen kann . Mir haben auch einige zurückgemeldet , die gesagt haben Ich weiß nicht , ob ich damit so locker umgegangen wäre , also wenn man sowas plant und überlegt und dann klappt es nicht . Bringt ja nichts , sich darüber aufzuregen , wie ich auch nicht ändern kann, dass ich schwerhörig bin. Ich werde es nicht ändern können . Ich werde das nicht . Ich werde nicht auf einmal hören können . Und warum soll ich mich jetzt mit einer Frage rumschlagen , Nächte durch wälzen ? Warum , warum , warum , wieso ist mir das passiert ? Diese Phase hatte ich natürlich mal. In der Pubertät so. A ber ich habe dann auc mal gesagt Punkt : Die Energie ist weg , die ich mit da reinstecke . Ich kann mir nur überlegen, was kann ich mit dem machen , was ich habe .

Und dann von dieser Ausgangssituationen weitermachen . Weil wenn ich jetzt immer darauf schaue, was alle anderen können , und ich nicht , was andere machen könnten , weil sie nicht in Corona Zeiten ihr Sabbatical gemacht haben und ich konnte es nicht machen . Dann Bin ich von vornherein verloren . Aber natürlich bin ich trotzdem nicht davor gefeit , dass ich mich mal aufrege und vielleicht auch mal sauer bin , dass es nicht klappt . Aber ich versuche dann immer , dass ich dann die Situation einfach aus einem anderen Blickwinkel betrachte und es einmal nur durch Lebenserfahrung und wenn man und ich merke , also ich wird mal sagen , so ab Mitte 20 habe ich das Gefühl , so ausgereift , dass man in der Jugend hat man noch nicht so diese Reife .

Ich würde nicht wieder 14 , 15 , 16 oder nein wollen . Ich finde , jetzt ist es so gut vom Alter , weil es eben man merkt , dass man doch schon gewisse Entscheidungen treffen musste . Man hat gewisse Krisen durchgemacht . Krisen sind in dem Moment nicht schön sind natürlich krisenhaft , aber auch da habe ich gemerkt; es gibt auch irgendwann auch wieder einen Weg raus . Dass man einfach immer wieder einen Weg raus findet . Und diese Kompetenz , diese Erfahrung , die hat man erst so ab Mitte 20 , um die 30 und das ist klar .

Ich denke man wird immer reifer und immer je älter man wird und dass ich das dann auch dass so gut finde . Ich finde es schön , auch mehr den Überblick zu haben und nicht mehr jung , zu jung und zu naiv zu sein .

In meine Familie sind alle hörend . Ich bin die einzige , die schwerhörig ist in meiner Familie . Ich habe eine ältere Schwester und älteren Bruder , deutlich älter als ich , und deswegen bin ich zwar mit Geschwistern groß geworden .

Aber als ich in die Schule kam , waren die also meine Schwester war schon ausgezogen , mein Bruder auch kurz daraufhin. beide sind 9 und 12 Jahre älter als ich . Deswegen habe ich mich selbst immer als eine Art halbes Einzelkind bezeichnet , weil meine großen Geschwistern immer ganz andere Lebenthemen hatten, als ich das hatte . Und klar Schule und erste Klasse , zweite Klasse sind ganz andere Theme . Jetzt gleicht sich das an. Also Kommunikation hat ja auch immer gut geklappt .

Ich habe auch mal recht gut verstanden , obwohl ich so schwerhörig bin. ich bin fast taub eigentlich von meiner Hörkurve. Ich habe in meiner Familie kein großes Gefühl gehabt , benachteiligt zu sein . Es war natürlich schon so , dass die deutlicher mit mir reden mussten und das ist halt Familie , also die Familie zusammen saß am Tisch oder so . Und so große Gesprächsrunden waren da war schon eine gewisse Disziplin notwendig . Und das war oft meine Mutter , die mir auch geholfen hat , die dann für mich wiederholt hat und mich auch gefragt hat , habe ich verstanden und dann für mich das einfach noch mal mündlich wiederholt hat, wenn sie dann neben saß. oder ich sie dann auch einfach gut verstehen konnte von der Stimme her und sie hat mich oft unterstützt . meine Oma war ja dann auch oft da . Wir sind alle sehr warm , also sehr gut gewesen . Und da hatte ich das nicht so ein Gefühl , eher eine andere Art von Grenze , die man hatte . Eben wegen des Alters , wegen der Themen , die dann da waren. Weil ist ja auch manchmal cool , wenn man so große Geschwister hatte , die vielleicht einen mal mitgenommen haben in so Themenwelten , die damals eigentlich noch gar nicht so mein Thema sind .

Ich war auch einmal mit meiner Schwester auf einer Party und haben micht älter geschminkt . Weil ich s chon immer so groß war , bin ich überall gut durchgekommen . war natürlich super aufregend und das ist natürlich schon cool , aber . Genau , ich hatte nie das Geschwisterliche Leben , wie jetzt zwei , drei Jahre älter oder jünger ist . Das war ein eher so , dass ich zum Beispiel bei meiner ersten Einzelfallhelferin hatte auch zwei Töchter und da war ich genau dazwischen vom Alter . Zwei Jahre älter , zwei Jahre jünger , und da war es so, dass ich viel mit ihnen gemacht habe .

Da war dann auch eine Freundschaft gewesen und das war schön , dass es nicht nur so eine Einzelfallhile war sondern wirklich auch Freundin wurde . Bis heute sind meine Eltern mit ihr befreundet . Diese gläserne Wans: je mehr Leute auf einmal zusammenkommen , desto schwieriger wird es und und je weniger Menschen darüber Bescheid wissen , was da eigentlich heißt , schwerhörig zu sein . Ja , desto mehr entsteht diese Glaswand . Und hinzu kommt ja auch . Das hat dann auch mit mir was gemacht , wenn ich dann gemerkt habe , dass gesagt wurde: ach sie ist schwerhörig , oh je , das arme Kind , oder ?

Aber ich habe in dem Moment gemerkt , ich werde auf eine andere Position verrückt . Ich bin nicht mehr nur das Kind oder die Tochter von meinen Eltern . Ich bin eben das schwerhörige Kind , die schwerhörige . Und es ist ja auch unbewusst teilweise läuft das ja alles ab . Aber das macht mit einem was irgendwie . Ich kann es jetzt auch schwer beschreiben , aber es ist selten , dass ich einfach völlig unbefangen ich war . Die Schwerhörigkeit . Die vordergründigee Person war. Erwachsene mit Kinder ist nochmal anders .

ALs Kind ist man ja sowieso in einer höchst bedürftigen Rolle dann fällt es auch einfacher. Aber je älter man wurde oder ich wurde , desto mehr . Ist ja dann auch okay . Man merkt , dass eine Andersartigkeit gibt. Also heute erzählen mir auch viele , die sind auch unsicher , was mache ich denn jetzt ? Worauf muss ich achten , oder ? Oh je , ich kenne ja eigentlich nur meine Oma oder meinen Opa die schwerhörig sind. . Aber ich kenne ja niemanden in diesem Alter .

Das es einfach was in dem Verhalten verändert im Miteinander . Und ich glaube , das hat mich auch . Da habe ich mich auch unbewusst anders verhalten und manchmal das Gefühl gehabt , dass wir eben einfach gerade auf zwei verschiedenen Ebenen stehen . Also ich habe hörende, schwerhörige und taube Freunde , also quasi aus allen drei Welten wie ich immer sage . Es ist aber wirklich so. Das habe ich ja damals , 2003 mit dem ersten Kontakt , den ich hatte und dann hatte ich jährlich auch so eine Freizeit mitgemacht und mitgestaltet .

Und es war für mich wie eine Tankstelle . Also einmal im Jahr musste das sein . Mindestens. So eine Woche gemeinsam mit allen anderen schwerhörigen Menschen , oder ? Und dann haben sich Freundschaften aufgebaut , denn dann hat man sich gegenseitig besucht und es war dann auch immer so schön , wenn man da war . Klar , es gab dann auch Themen , die schwerhörigen spezifisch sind . Überlegst du auch dir ein Cochlea Implantat zu implantieren oder nicht oder hast du eins oder wie ist das so mit dem Verstehen im Studium ?

Also solche Themen gab es auch . Aber das ist ein anderer Austausch untereinander als mit einer hörenden Person . Weil da ist man doch mehr in einer erklärenden Situation , weil die braucht es ja nicht mehr . Ich habe oft gesagt , das ist einfach nur ein anderes gleich klingen und gibt aber auch gute Freunde von mir , die hörend sind und die . Da merke ich das nicht , oder ? Da steht es einfach nicht im Vordergrund und da stehen wir als Menschen im Vordergrund und . Das Ist auch total schön .

Die Gebärdensprache habe ich gelernt und die habe ich also durch diese Freizeiten mit anderen hörebehinderten Menschen . Da gab es welche , die mehr in der Gebärdensprache auch zu Hause waren , die aber auch sprechen konnten . Und dann war ich natürlich auch neugierig und einzelne Vokabeln , die man erst mal lernt . Und dann hatte ich immer mehr , also durch den Kontakt miteinander . Also immer mehr Gebärden aufgeschnappt und dann auch aktiv nachgefragt und dadurch den Wortschatz erweitert . Und am Anfang waren es eher Lautsprache unterstützende Gebähren , also LOG .

Dann wurde immer es immer mehr zur LPG Lautsprache begleitende Gebärden , also quasi fast jedes Wort mit Gebärden , während ich spreche , weil die deutsche Gebärdensprache also die hat eine ganz eigene Grammatik , die auch nicht . Also die , die ist nicht wie die Lautsprache und da habe ich dann noch gemerkt , bin ich zu lautsprachlich geprägt und habe das dann aber im Laufe der Zeit , also vor allem wegen der Freizeiten während des Studiums habe ich immer mehr gelernt . Ich hatte auch selbst Kurse besucht und dann aber später im Praktikum und bei der Arbeit .

Bei meinem Arbeitgeber , da habe ich auch mit anderen schwerhörigen und tauben Menschen zu tun . Da habe ich dann auch gesagt , ich möchte es gerne verbessern . Ich möchte nämlich in der direkten Kommunikation mit der Person sein und nicht Dolmetschende hinzuziehen müssen . Genau . Ich habe immer mehr Kurse belegt und dann wie bei jeder Sprache so ist halt . Also das mit der Anwendung der Sprache eine Verbesserung sich einstellt . Und am Anfang hatte ich das erst mit der Motivation gemacht . Also ganz am Anfang war es natürlich interessant und spannend .

Also ich hatte ja zu Schulzeiten schon durch meinen zweiten Einzelfallhelfer Kontakt mit dem Finger Alphabet , also hat er nämlich dann , wenn es die Zeit zuließ , hat er uns das gezeigt im Vertretungsunterricht. U nd dann haben wir alle das Fingeralphabet gelernt . Und das ist natürlich immer toll , wenn man sich ohne Stimme mit dem Fingeralphabet was zeigen kann so dass es auch niemand mitbekommt akustisch . Wenn ich damit anderen schw erhörigen Freunden , die dann auch Lautsprache begleitende , gebärden konnten , war das schon eine Erleichterung .

Habe ich gemerkt , dass wenn ich dann mit gebärde zudem , was ich sage auch umgekehrt nehme, da es dann auch ein Störgeräuschen , das ich dann verstehen , also akustisch verstehen , dann einfach eingeschränkt ist und wenn ich das visuelle Element hinzubekomme und mit dem Mund absehen . Also vom Mund absehen/ablesen tue ich ja auch ganz viel . Und diese Kombination ist einfach da entspannter . Aber ich hatte zu dem damaligen Zeitpunkt nicht gedacht , dass ich die DGS , die Deutsche Gebärdensprache so richtig gut beherrschen könnte .

. Aber im Kontakt mit anderen mit den Tauben Clienten , dann habe ich auch taube Arbeitskollegen und auch Freunde . Ja , habe ich die Sprache immer mehr angewandt und irgendwann gemerkt , dass es mir gut tut in dieser Sprache mich austauschen zu können . Mein Freund , mein LebensPartner ist auch taub und also das klappt . Er ist auch total gut . Also ich bin keine Muttersprachlerin , aber mittlerweile kann ich sehr flüssig darin kommunizieren und ich hatte eigentlich ganz klein , war sieben Jahre lang Logopädie gehabt .

weil das sprechen musste ich ja lernen . Und meine Mutter hat mir erzählt später , dass sie , als sie mit mir dann zu der Logopäding gegangen ist und das dann starten sollte , hat die wohl zu ihr gesagt , aber sie wissen schon , dass ihre Tochter irgendwann auch in der gehörlosen Welt zu Hause sein wird. Zum damaligen Zeitpunkt war das für meine Mutter oder ich denke für meine Eltern auch total schwer , das zu akzeptieren , weil es ja auch etwas von Identität und Gemeinsamkeit , wenn man die gemeinsame Sprache spricht . Und die dachte Nein , das wird so nicht sein und so und jetzt aber habe ich doch irgendwie den Weg hinein gefunden und möchte auch gar nicht mehr missen die Gebärdensprache und wechsel zwischen den Welten auch wirklich .

Die Gebärdensprache ist auch eine eigene Kultur . In der tauben Community ist auch ein eigenes Kulturverständnis da und ich kann immer mehr verstehen , was es bedeutet . Und lange Zeit hatte ich nicht so den Zugang dazu . Aber jetzt bin ich froh , dass ich die auch für mich entdeckt habe und es auch Situationen gibt . dass ich merke , ich würde jetzt lieber in Gebärdensprache das ausdrücken , lieber in Gebärdensprache vermitteln , weil ich die visuelle Sprache manche Sachen schöner rüberbringen kann , als wenn es Lautsprachchlich ist. Es gibt , aber auch Sätze oder manchmal Formulierungen oder Wörter , die ich in dann nur lautsprachlich gerne sagen möchte und dann , also wenn ich mit meinem Freund dann auch kommuniziere , dann ist es auch gut , dass er also er versteht , wenn ich dann auch manchmal andere Wörter benutze , die nicht so typisch Gebärdensprachlich sind . Und dann aber muss ich das auch mit dem Finger alphabet manchmal zeigen . Aber ja , ist es manchmal so eine Mischform , die ich eben nutze oder einsetze. Das wird mir aber jetzt immer mehr bewusst die zwei verschiedenen Sprachen und auch die verschiedenen Stärken und der Sprachen .

Also es ist sehr breit , dass diese Kategorisierung , die man ja hat . Also ich werde auch als schwerhörig gelabelt oder gibt , wie wir Menschen , die als schwarz gesehen werden oder mit Migrationshintergrund . Das ist aber ich bin ja auch nicht frei davon . Dass ich manchmal auch so eine Kategorisierung anwende und weil das Umfeld ja auch , in dem man groß geworden ist und dass man dann halt als Kind ja auch erst mal nur aufnimmt , auch unreflektiert . Wie soll man denn auch was hinterfragen ?

Und aber das , was ich vorhin auch beschrieben habe als irgendwie spürt man ja als Kind genau das habe ich auch jetzt rückblickend also gemerkt auch in der hörenden Welt zu Hause bin . Aber diese Identitätsfindung ja auch mit einer Person , die halt auch so wie ich schwerhörig ist für mich auch so wichtig ist . Und dass ich deswegen , wenn ich heute mit Eltern ins Gespräch komme , die dann auch die Info bekommen ihr Kind ist schw erhörig . Und das ist auch ein einzelnes Kind , das ich dann auch mal sage: es gibt keine ideale Lösung , aber stellt den Kontakt zu anderen schwerhörigen Kindern her .

Und das es auch einfach die Erfahrung , des "durch das Du zum Ich" machen kann . Ja , es ist wie ich . Es trägt auch ein Hörgerät , wie ich. Aber auch Erwachsene kennenlernt. Ich habe mal gelesen , dass ein taubes Kind dachte lange Zeit irgendwann stirbt es . Denn es gibt ja keine tauben Erwachsenen und . Das ist so krass, wenn man sich das überlegt , weil irgendwo her mus s sich ja das Weltbild zusammensetzt und dann eben , wenn man merkt , man will ja nicht so kategorisieren .

Und man will ja auch nicht so in Schubladen stecken . Andersrum hat man gerade gemerkt bei schwerhörigen und tauben Kindern oder den Menschen . Es ist halt so , dass nicht gut hören kann oder nicht hören zu können ist nur Einschränkung der Lautsprachlichen Kommunikation . Und deswegen sagt man auch oft es ist nicht die Schwerhörigkeit, sondern eine Kommunikations behinderung . Und man sagt jetzt also auch viel würde ich jetzt würden ja alle Hörenden auch die Gebärdensprache lernen , dann würde ja keine Kommunikation sbehinderung existieren . Dann wäre das einfach hinfällig .

Aber durch dieses nicht vorhandene sein der Gebärdensprache bei allen ist halt eben immer eine Barriere da . Also es haben viele Menschen mit mir drüber gesprochen . auch meine Eltern waren immer offen und ich auch bemüht und haben super unterstützt . Aber deswegen bin ich auch so dankbar , dass sie mich dann damals zu der Freizeit angemeldet haben , weil ja , ich glaube , die haben auch gemerkt , das ist wichtig , aber es ist auch nicht einfach für sie ist.

In dem Moment ist es ja auch eine Trennung , zu merken das Kind dann was anderes braucht und dort was anderes hat . Eine Erfahrung , die Eltern dann nicht mehr mitmachen können . Also klar wird das Kind sowieso älter , aber auch das ist auch jetzt heute , wenn ich mit meinem tauben Freund dann auch zu meiner hörenden Familie komme . Ich bin dann schon auch eine Dolmetscherin und es ist deshalb immer irgendwo eine Barriere da in dem Moment . Und er ist halt nicht nur der Taube , auch das ist und das die je besser , die sich kennenlernen , hat man auch gemerkt , desto mehr sehen sie auch die Person dahinter . Aber das ist halt so wie man es beschreiben .

Aber wenn man wirklich ganz lange erst mal wegschieben muss , die Steine wegschieben muss , bevor man eigentlich ein Höhleneingang sieht . Also ich habe gerade keine Metapher , aber das man irgendwie sieht , wer das eigentlich ist , ja der Mensch ist taub . Aber der Mensch ist auch na ja , weiß ich nicht kreativ und hat super gerne irgendwelche Hobbies, die er pfelgt. Und irgendwie so wie jeder andere Mensch auch genau so Hoffnungen und Ängste und also dass das ja eben auch so der Mensch ist einfach .

Und das meine ich jetzt es auch wichtig , wenn man im Austausch bleibt . ich hatte mich letztens mit einer Person getroffen , zum ersten Mal. Die hat auch gesagt: ich sage jetzt mal ganz ehrlich , ich bin so unsicher gewesen , wie ich jetzt mit dir kommunizieren soll . Okay , ich kann damit umgehen dass du das so sagst und ich finde es aber auch verständlich . Dann e rkläre ich das erst mal wieder . Aber gut , wie soll man denn mehr voneinander

erfahren? Es ist auch immer , ist auch nicht einfach . Aber es gibt ja auch die . Es gibt ja so viele Erfahrungswelten und dann einfach trotzdem offen bleiben . Und manchmal gibt es aber Zeiten , wo ich einfach keinen Bock mehr habe , wo ich auch keine Energie mehr dafür habe . Und mich dann auch in meine Welt zurückziehe , wo ich einfach nicht erklären muss . Manchmal bin ich ganz voller Elan und kann mich dann auch mehr öffnen und ich kann auch besser damit umgehen . Mittlerweil. Weiß ich nicht . Ich verstehe nicht . Bitte noch mal wiederholen . Und und wie ich mich da offenbaren . Und dann sage ich bin schwerhörig . Und dann gibt es ja immer die berühmten Augenroller also es ist jetzt anstrengend das noch mal zu wiederholen . So ein Blick. Das ist oft verletzend gewesen . Und ich stehe auch immer in dieser Ambivalenz zwischen Wenn ich etwas nicht verstehe , sag ich das noch mal oder lasse ich es einfach? , Mit meinem Einzelfallhelfer, der dann auch mein Biolehrer war. Da gab es dann eine Situation , die war für mich auch so ein Aha-Effekt .

War schon in der zwölften Klasse , glaube ich schon Leistungskurse , die wir hatten . Wir waren auch eine relativ kleine Gruppe , also zwölf Leute und eigentlich für mich ja auch ideal . Und wir hatten ja auch super harmoniert . Aber wie es dann so ist , wir haben dann hat irgendwer mal was gesagt und Alle haben gelacht . Witz oder witzige Bemerkung . Ich habe es nicht mitbekommen und habe gefragt Wie bitte ? Ach , nicht so wichtig , sagt sie .Den Satz hab ich schon millionenmal gehört . Das sagen wir ja auch mal schnell im Alltag nicht so wichtig . Wir wollen uns ja damit Arbeit ersparen . Wir wollen ja eine Wiederholung ersparen . Und dann hat der Lehrer gesagt Nein , bitte wiederhole es nochmal . Denn ob es wichtig ist , entscheidet Svantje. Und ich saß dann da und dachte: stimmt er hat voll recht . Aber ich bin ihm auch so dankbar gewesen , dass er für mich . Also der hat mich quasi empowert .

Es gibt manchmal auch ein Gefühl von übergriffigen Verhalten . Auch für mich . Also auch in meiner Reifung . In meinem Selbstverständnis mit dem einfordern für mich war das total wichtig und mir auch so hängengeblieben . Und das sage ich auch so oft als Beispiel , wenn ich jetzt irgendwo unterwegs bin . wenn es auch um solche Situationen geht . Es ist meine Entscheidung , ob es wichtig ist oder nicht .

In dem Moment merke ich auch manchmal Oh Gott , was haben die denn eigentlich da gemacht ? Aber ich verstehe auch , dass es sehr oft nicht böse gemeint ist , Das ist einfach der Alltag, nicht anders können oder nicht gedacht haben und und dann aber eigentlich immer . Also jeder Mensch sollte selbst entscheiden können . wars wichtig oder nicht ? Vielleicht ist das für mich eine total wichtige Informationen zu wissen , dass eine Person son eWitze machen kann und man möchte auch einfach mitlachen und .

Also bin ich ihm auch sehr dankbar , dass er mich so unterstützt hat . Er hat es immer auch eine Ambivalenz zwischen Sag ich was oder nicht . einmal im Studium hatte ich auch überlegt , mich aktiv in diesen . Gibt ja immer so Studenten , die dann aktiv sind in den Gremien . Ich weiß den Namen gerade nicht mehr und dann hatte ich überlegt Mensch , ich hätte Lust mitzumachen , einfach um Erfahrungen zu sammlen, neue Kontakte zu knüpfen . Die waren auch total offen dafür .

Aber selbst als ich meine SM Anlage, also funkmikrophon Technik , die mir hilft , besser zu verstehen , habe ich auch eingesetzt . Aber die hatten es nicht geschafft , die Studenten , die dabei waren , diszipliniert nacheinander zu reden . Und ich hatte damals dann nicht die Energie einzufordern , zu sagen Leute , wir müssen Disziplin einführen . Das ist auch klar . Dass jeder sich kurz meldet , wer jetzt spricht , damit ich das auch visuell mitbekomme , damit ich weiß , wo ich hingucken muss , um vom Mund ablesen zu können .

Und es ist ja oft so , dann gehen halt ganz schnell so irgendwelche Diskussionen mit ganz schnellen Wortwechseln durch den Raum und dann bin ich raus . Ich bin mir sicher , die hätten das gemacht , wen n ich es eingefordert hääte. Aber ich hatte nicht die Energie , weil ich wusste , ich müsste die immer erziehen . Also in Anführungszeichen erziehen , indem ich immer wieder darauf hinweisen müsste , immer wieder sagen Bitte nicht vergessen . Weil ich hatte dann auch in Seminaren je nach Format manchmal Dozenten gebeten , Dozierende , ob die dann dann die Anlage einfach weitergeben , wenn Redebeiträge wechseln .

Und das habe ich dann auch manchmal selber gesagt . Manchmal haben die Dozierenden auch kurz erklärt , wie die Kommunikation quasi ablaufen soll und wie oft es vergessen wurde , wie oft dann einfach dieses kleine Gerät nicht weitergegeben worden ist . Weil ganz viele sagen ja auch aber hör ja noch nichts, es hilft mir doch nichts. W eil für die wird ja nicht verstärkt . Und dann sage ich immer: ja aber für mich! Dann gucken die mich immer an , man trifft ja auch nicht immer alle die Studenten regelmäßig. Deswegen kennt man sich ja auch nicht immer . Ich bin schwerhörig , aber eigentlich hätte ich dir ganz viel erklären müssen , damit die begreifen , was für ein Ausmaß das hat. Viele denken : Na ja , die Person setzt sich Höregeräte in die Ohren oder ein Cochlea Implantat und dann ist alles schick . Das ist wie ne Brille . dann muss sie doch genauso gut hören wie vorher , Oder so gut wie eine hörende Person und das ist aber nicht . Also man hört nie mehr so gut wie eine hörende Person .

Und wenn dann eben vergessen wurde , diese FM Anlage weiter zu reichen , dann habe ich mich gemeldet und im Moment habe ich dann den Redebeitrag unterbrochen und es ist natürlich anstrengend . Das ist dann , wenn das nicht so diszipliniert umgesetzt wird , dann erzeugt das ja auch manchmal Frust . Also bei mir selbst total und auch das hat mich immer total unter Druck gesetzt . Oft wie ist das jetzt? Wartest du kurz ab , stört jetzt den Redebeitrag schon , aber ich verstehe dann halt in dem Moment nicht. Nur dann stehe ich wieder so im Mittelpunkt , was ich zur Schulzeit nicht wollte und das und dieses ständige Ambivalenz und wie weit ich mich .

Ich habe oft genug gesagt Ja , lass einfach. Manchmal hatte ich Menschen , die mitgedacht haben und die dann: ey weitergeben! Und das war super nett! Ich habe mich auch gefreut, wenn ich da so unterstütz wurde. Es gab manchmal super hilfsbereite Menschen, die aber zu hilfsbereit waren. Das fühlt sich dann manchmal übergriffig an . als wenn sie sich um mich kümmern müssen . Und das mag ich wieder auch nicht . Und das ist so ein schmaler Grat zwischen dieser Abhängigkeit und Autonomie .

Heute kann ich ja die Gebärdensprache so gut verstehen , wenn jetzt Dolmetscher vor mir sitzen und Beiträge in Gebärdensprache übersetzen . Das das für mich auch total verständlich ist . Also das habe ich . Vor fünf , sechs Jahren konnte ich noch nicht so gut folgen und das ich jetzt zum Beispiel auch überlege , wenn ich jetzt eine Weiterbildung mache und ich möchte jetzt auch gern was Neues lernen und so , dass ich dann dafür Gebärdensprachdolmetscher einsetze , weil dann haben die diese Verantwortung , dass sie alle für mich dolmetschen .

Ich kann einfach in Ruhe hingucken und ich muss nicht immer ständig Bescheid sagen . Ja , das ist einfach purer Stress ist . Und ich muss ja auch die ganze Zeit so aufmerksam sein , aber gleichzeitig den Inhalten noch folgen . Und da sind mehrere Sachen , die man auf dem Schirm behalten muss . Und ich kriege überhaupt nicht klar , da bin auch danach oft KO gewesen nach solchen Kursen . JEtzt möchte ich gern Gebärdensprachdolmetschende dazuholen und trotzdem aber auch die FM AnLage zum Beispiel dem Dozierenden dann umhängen , dass ich dann halt die Person höre .

Aber wenn dann so Sprech Beiträge kommen von den Teilnehmenden , dann konnen die das für mich dolmetschen . Dann muss ich nicht immer sagen: Bitte weiterreichen , den Stress möchte ich mir nicht mehr machen . Und es ist ja auch klar , wenn Gebärdensprachdolmetsche nde vorne sitzen , dann ist ja auch eine gewisse Offenbarung da . Weil dann muss da eine Person sein , die nicht so gut hört . Aber es ist halt so klar , wenn ich das nur einmal so sage , dann vergessen das ganz viele , denn es ist eine unsichtbare Behinderung . Die Hörgeräte verschwinden bei meinen Haaren sieht man eh kaum und und ich spreche ja irgendwie viele Kinder fragen mich immer Hast du ein Kaugummi im Mund oder von der Aussprache her nicht so super sauber ist oder deutlich spreche , aber es ist eben nicht mehr die ganze Verantwortung bei mir liegt .

Ich möchte gerne langfristige Zie ist Supervision und Coaching würde ich gerne machen und dazu bracuhe ich noch aber noch eine kleinere Weiterbildung mit 300 Stunden Umfang . Psychosoziale Beratung, Counselling nennt sich das. Weil Beratung ist ein Feld, d as ich sehr spannend finde , was ich bereits in Studienzeiten interessant fand. Weil es ist ja auch diese Beziehungs Dynamik , die da so ist, aber wie man die professionell gestaltete Beratung . Dann hatte ich gemerkt , ich möchte mich weiterbilden und auch breiter aufstellen , beruflich oder aufstellen können . Ich habe lange überlegt und ich habe dann gemerkt , auch durch eine Supervisorin , die mir und ich habe zwei Teams , in denen ich arbeite und in meinem Team haben wir eine Supvervisorin , die ich super finde .

Die also ne Klarheit hat , sone Struktur und aber auch diese Arbeiten als Supervisor finde ich sehr spannend . Und da gibt es zum Beispiel auch kaum Angebote in Gebärdensprache . Und dann habe ich ja gedacht . Vielleicht wäre das noch eine Marktlücke . Aber das ist einfach so oft mein Thema , dass Menschen immer einen Dolmetscher hinzuziehen müssen , um dann ihre Themen besprechen zu können . Und wenn dann ein direkter Kommunikation funktionieren würde , dann wäre es ganz anders .

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Swantje

Swantje ist eine 34-jährige Ur-Berlinerin. Als schwerhöriges Kind wächst sie in einer hörenden Familie auf. Sie besucht die Regelschule und studiert Rehabilitationspädagogik. Im Interview erzählt sie uns von den Hürden, die eine hörende Welt für sie bereithält und von ihren Umgangsweisen damit. Heute berät Swantje nebenberuflich Kulturinstitutionen in Inklusionsfragen und führt ein soziales Leben zwischen der hörenden und gehörlosen Welt.

Das Interview mit Swantje wurde durchgeführt von Anna Chrusciel, Fotos: Archiv von Swantje, Audioschnitt: Ramin Parvin, Transkript: Julia Michael, Happy Scribe

Die Geschichte von Swantje wird am 25. September 2021 im Rahmen von „10+1 Lebensgeschichten im Stadtraum” als CL-Visual von Pinky Aiello auf der Monbijoubrücke in Berlin-Mitte aufgeführt.

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