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Adel

Ich wollte Pilot werden, dann kam die Revolution

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Adel

Ich heiße Adel Gamehdar . Ich wohne momentan in Berlin in Admirals traße 37 , mit meiner Mama zusammen . Ich bin Filmtonmeister . Ich bin sehr glücklicher Mann in Berlin . Ich bin geboren in Iran , in einer Stadt namens Babol und da habe ich meine Kindheit erlebt. Das heißt vorher ich habe in Teheran gelebt und mit drei bin ich in diese Stadt Babol. U nd es hat mich so fasziniert , bevor wir in Babol, diese Stadt waren - und das habe ich in Teheran nicht so erlebt wie in Nordi ran - und da war ich schon als Kind fasziniert von dieser Stadt und Natur und vor allem von den Vögeln und viele verschiedene Vögel .

Ich hab mich sehr wohlgefühlt und mit dreieinhalb Jahren wollte ich fliegen , weil ich habe einen Vogel beobachtet in Borbol, der war auf dem Balkon. Und von vier bis fünf Meter schmeiße ich mich in die Luft und hab leider eine kleine Beule in meinem Kopf gehabt . Und da war meine erste Wachsein in der Welt , dass es nicht so läuft . Und dann haben meine Nachbarn ein paar Vögel gefangen , mit einer Schnur festgebunden und ich lag im Bett und haben sie mir gegeben , haben sie gesagt , schüttle mal ein bisschen und die Vögel , sie fliegen in der Luft in meinem Zimmer.

Und dann haben sie mir gesagt: schau mal und lerne mal , wie die fliegen . Wenn du gesund ist , dann fliegst du so. Und ich habe mich schon als Kind sehr viel interessiert für Fliegen und fasziniert . Und ich träumte auch sehr oft. Und so oft , dass ich am nächsten Tage meine Koordination , wie ich fliege in der Traum sozusagen organisiert , wie ich fliege , dass es klappt diesmal und im Traum hat es geklappt .

Und die Realität . Ja , ich ging da in Iran , also in Babol in die Schule . Und dann gabs bei uns in den 70er-Jahren eine Woche Berufsbildung. Und in dieser einen Woche haben in jedem Beruf so einen Beamer installiert und von A bis Z uns informiert , was wir sein können und werden . Und da war auch - natürlich - Militär war auch da und haben ihre Jets und Flugzeuge vorgestellt. Und ich war eine Woche geklebt an diese Beamer und guckte den Film tausend mal hintereinander .

Was passiert , wenn ich oben bin? Kann mir irgendwas passieren , körperlich oder welche Sicherheit und Ausbildung und wie lange es dauerte ? Was muss ich lernen , um dieses Fach zu erreichen ? Das habe ich auch getan. Und ich wusste schon , also ich will ein Flieger werden . Genauso habe ich auch meine Schulr ichtung - zum Beispiel man muss auch Physik und Mathematik studieren , um am Militär angenommen zu werden . Und da habe ich mich auch genau in diese Richtlinie gehalten. Und meine Eltern waren sehr früh, also ich war 8 - sie haben sich geschieden. Und mein Vater hat geheiratet . Meine Mutter hat geheiratet und ja , es war schöne Sache , was für mich positiv war , dass ich komplett frei war. M ein Vater war LKW-Fahrer . Er ging arbeiten . Manchmal kam er Monate nicht und ich lebte mit meiner Großmutter zusammen mit meinen beiden Geschwistern , mein Bruder und meine Schwester. Und ich hatte viel , viel Freiheit . Also es gab keinen Moment , wo ich bestimmte Uhrzeit zu Hause sein muss oder nicht .

Ich fühlte mich so sehr selbstbewusst als Kind , auch in der Schule. Und mein erster Job , wo ich viel Geld bekommen habe , war in der Schule . Ich habe mich vor dem Schuldirektor beschwert , dass die Schultafeln sind nicht grün genug . Und wenn man hintere Reihe sieht , wenn Lehrer irgendwas schreibt , man sieht das nicht und man muss den Kopf rechts , links , links , rechts umdrehen . Und ich habe mich beschwert. Und es war eine große Schule und der Schulleiter kam zu mir: du Kleiner , du beschwerst dich über meine Schule. I ch habe gesagt: setzen Sie sich nach hinten und schreiben etwas, ob sie das sehen könne. Tatsächlich , er konnte es nicht lesen und hat mich beauftragt , der ganzen Schule , ganzen Klassen Farben... Und eine Kalkulation wollte er haben , wie viel Geld ich dafür benötige . Und ich habe gesagt: ja soviel kein Geld und so viel Farbe und so viel für mich . Er war einverstanden und ich habe es auch gemacht und er hat mir das Geld gegeben . Ich wusste nicht , wie soll ich mit so viel Geld umgehen .

Und da hatten er mir einen nächsten Auftrag gegeben. Und das war die erste Situation, dass ich mit anderen Menschen etwas lerne und etwas auch gebe . Er hat gesagt , ich habe ein Haus gekauft und dieses Metallgerüst ist aus Metall und du musst diese Metall färben. Aber ich muss dich warnen , das ist drei Etagen. Und wie du hochkommt , das ist dein Problem . Okay , kein Problem . Ich komme hoch und ich war da und Bauarbeiter und so. Ich habe gesagt: Ja , ich bin hier wegen Farbe hier. Was du? Warum ? Wieso hast du keine Schule ? Du willst da oben ? Ja , ich geh nach oben und mache es . Und sie haben gelacht und sie haben mich nicht ernst genommen . Ich fange an , meine Farbe so zu mischen und Pinsel und so - ganz oben ist . Ich sagte: wenn schon , dann fange ich ganz oben an , damit sie mich respektieren . Und ja , also die ersten Tage habe ich angefangen und sie haben geflüstert über mich - so haben sie miteinander gesprochen .

Sie hatten Angst um mich und wollten, dass ich nicht runter falle . Am zweiten Tage haben sie mich total respektiert . Frühstück konnte ich mit denen mitessen. Und ja , das war auch ganz viel Geld und das war mein erster Job. Sozusagen etwas gemacht und etwas gelernt . Und natürlich habe ich verteilt , für meine Schwester . Sie haben gesagt: Wow , so viel Geld haben wir noch nie gesehen . Wie hast du es geschafft? Und ja , das war sozusagen meine Kindheit . Ich war frei und ich konnte machen , was ich wollte .

Der traurigste Moment von meiner Kindheit war , dass meine Mutter hat nochmal geheiratet mit einem Typ , der war in Navy . Und er war Lehrer für Kommandos . Das war eine 4 jährige Ausbildung von Kommandos und der hatte viel Einfluss und er war auch sehr , sehr , sehr sehr lieber Mann . Und als ich ihm gesagt habe , dass ich Pilot werden möchte - er hatte auch Beziehungen zu Kollegen und durch die Kollegen, ich durfte in Militärschule in Teheran mich bewerben. Drei Monate später war ich auch anerkannt , dass ich dort eine Ausbildung machen durfte - eine 6 jährige Ausbildung .

Ich kann mich genau erinnern , ich zitterte , als diese Blätter so rum blätterte . Die haben über alles mich informiert , von A bis Z , wo ich mich anmelden soll , an welchem Tag und welche Ausbildung . Ein Jahr in Iran und drei Jahre in USA und wieder ein Jahr in Iran . Und dann war ich sozusagen mit 21, 22 fertig . Mit 21 ja , das war sechs Jahre Ausbildung. Und ich wusste nicht , dass ich das bekommen habe .

Ich war in Babol in dieser Kleinstadt. Ich spielte Fußball und auf einmal kommt: Adel, du hast Besuch aus Teheran kommen , schnell sein! Mein Onkel war das und er hat mir diese Mappe sozusagen in die Hand gegeben . Und hat gesagt: Wir machen jetzt große Party! Und wir haben Party gemacht . Ich war so froh , ich war einfach ... Ich liebte das Leben so sehr , nachdem das auch passiert . Ich hatte mein Leben sehr gern gehabt , mein Traum ist wahr geworden und ich werde in ein paar Monaten anfangen .

Und ja , es war iranische Revolution in dieser Zeit auch mehr oder weniger , aber es war sozusagen komplette Schule nach drei Monate geschlossen . Ich war auch dort , habe mich angemeldet und ja , wir sollten in drei Monate anfangen und noch mal so Durchlauf wie das hier ist . Wie das nicht , über alles uns informiert. Und die iranische Revolution war in dieser Zeit so , dass überall war zu, die ganze Schule und auch die Militärschule war zu. Und die Revolution war immer... Steigerte sich, steigerte sich. U nd es war so, dass Revolution hat gewonnen und mein Traum war futsch.

Konnte ich nicht mehr und ich war sehr traurig , sehr sehr traurig . Auch nach der Revolution, als die Schulen offen waren, ich wollte nicht mehr in der Schule . Ich war super depressiv . Ich war wütend . Ich hasste das Leben . Ich mochte mit niemandem reden . Ich war sozusagen sauer . Aber mein Onkel - er liebte mich sehr . Er arbeitete im Radio und Fernsehen als Dekorateur für Musiker , was weiß ich - für alle mögliche Sachen im Studio und hat mich mitgenommen in dieses Studio .

Und ich durfte in jedes Studio reingehen, in das ich wollte , in das ich konnte . Ich war frei , sozusagen . Jeder wusste , wer ich bin, von wem ich komme . Und als ich das erst Mal in dem Regieraum war , da saßen... Das war wirklich so ein großer Raum . Die ganzen Wände waren voller Monitore und überall war Dioden leuchten von elektronischen Sachen . Und nur drei Leute saßen nebeneinander und fast flüsterten: dreiundzwanzig zu acht, sechs zu sieben, jetzt! Und kommunizierten miteinander, welches Bild.

Das war eine Regie in der Mitte, Ton und Bildregie nebeneinander . Sie mischten sozusagen live die Sendungen . Und ich habe mich verliebt in diesen Raum. Ich sagte: wow, das sieht genau wie ein Cockpit aus . Das ist doch vielleicht was für mich . Es war so eine Freude für mich . Und am nächsten Tag , ich war jeden Tag in Māhschahr . Jeden Tag war ich da , bis ich bemerkt habe: Okay , das könnte sein , das könnte werden . Aber in Iran... Also Pilot zu werden , da hatte ich überhaupt keine Chance . Überhaupt nicht . Und für so eine Schule, es war es war Plan B. Es war sozu sagen mein zweiter Traum. Und in diese Zeit musste ich leider Iran verlassen . Und ja , ich habe Iran verlassen und war in Westberlin und hab versucht in West-Berlin mir eine Schule zu suchen für Sound und Tonausbildung. U nd ja, hab gesucht , hab gefunden , hab hier studiert . Was soll ich sagen ? Und jetzt bin ich hier, bei euch . Mir fällt nicht ein im Moment , wie ich das erste Mal gelernt habe . Es war kein Lernen , das war so eine... Mein Bewusstsein war so wach , dass ich alles lernen musste , und zwar wir - ich und meine Mutter, wir liebten uns sehr. Und wir hatten 14 Jahre Alterunterschied voneinander. Und weiß ich nicht ... Wir hatten schon als Kind nicht diese Mama und Sohn Gefühle , sondern auch so wie eine Geliebte . Und ich habe auch gesehen , wie mein Vater meine Mutter liebt und ich war eifersüchtig . Warum kann ich dich nicht lieben? Als mein Vater nicht da war, ich habe versucht meine Mutter zu lieben . So was wie mein Vater macht , habe ich nachgemacht und er hat mich gesehen und gelächelt und sich amüsiert . Ich war in Babol in einer Privatschule und das hat mir sehr gut getan , weil ich hatte in dieser Schule ... In diese Schulform war im Gegenteil zur staatlichen Schule sehr viel Freiheit . Ich konnte entscheiden , was ich lerne , worauf ich Bock habe heute zu lernen. Und wir machten jeden Tag auch Test und meine Mutter sozusagen machte mit so einem Lied jeden Tag: A del , was hast du für mich heute ? Ich sagte 20, 20,20! Und in Iran ist von 0 auf 20 und 20 ist die beste Note . Ja , das was war unser Ritual . Und eines Tages, ich war glaube ich gerade 8 Jahre alt und meine Mutter und Vater hatten Probleme miteinander . Meine Schulk ameraden sagten: Adel, heute war P olizei bei euch. Ich sage: bestimmt nicht bei uns . Und sie sagten: doch bei euch! Ich sage: ja , nein , nicht bei uns . Es war doch bei uns .

Meine Mutter musste meinen Vater verlassen und ich kam von der Schule und ich sah sie mit zwei Koffern und es stand ein Taxi da . Oh , ich habe schon von weitem wie eine Katze eine Position eingenommen. I ch fühlte schon in der Luft, es passiert jetzt etwas. Und es ist auch tatsächlich was passiert . Sie hatte mir gesagt: ich habe dir in diesem Supermarkt was weiß ich wie viele Euros hinterlegt , dass du jeden Tag deine Süßigkeiten vom Supermarkt holen kannst .

Und ich muss gehen und ich komm nie wieder . Ah! D as war mein Albtraum! Und ja , sehr traurig . Das Taxi fuhr weg und ich stand dort. Ich sagte: Nein , das ist nicht wahr . Ja , von diesem Tag an, war ich auch verantwortlich für meine Schwester und Bruder . Die waren kleiner als ich , jeweils zwei Jahre . Und erster Tag ging, zweiter Tag ging, aber dritte , vierte , fünfte Tag.. . Wir waren alle frei. W ir drei waren in der Wohnung und keiner war da , außer meine Großmutter .

Normalerweise hatten wir so Mittag , Frühstück, Abende ssen . Keiner war da! Und das war mein traurigster Tag , den ich nie vergessen werde . Und ich kann nicht sagen , dass ist die Schuld von meinem Vater oder meiner Mutter oder so was . Es ist nicht die Frage der Schuld , sie konnte nicht mehr . Ab dem Tag musste ich wirklich alles alleine lernen und nicht nur lernen . Auch meine Schwester und Bruder sagen wo lang es geht . Wir sind jetzt nur zusammen. Und ja, seit dem Tag, ich habe angefangen zu kochen . Das erste was ich gekocht habe , war Omelett . Und Mittag , Frühstück, Abend: Omelette. I ch konnte nicht was anderes. Wir wohnten alle zusammen und und meine Großmutter kochte für uns danach und hat uns sozusagen adoptiert . Und sie hatte auch seine Tochter . Wir wohnten alle in eine so einem großen Haus . Ja , da habe ich angefangen , so zu sagen: ich bin allein und ich muss die ganzen Dinge lernen . Und ich muss auch meinen Geschwistern etwas beibringen .

Und das habe ich auch getan. Und wir waren zuerst ein Jahr genervt: W arum müssen wir alles selber lernen? W ir guckten auch bei den Nachbarn , wie sie kochen und haben das nachgemacht. U nd da haben wir sozusagen alles gelernt, außerhalb der Schule mussten wir alles alleine machen. Und das erste Jahr war sehr schwer und ich habe auch sehr oft meine Mutter verflucht. M ein Vater war ab und zu mal da und i ch hatte Mitleid mit ihm , weil er liebte meine Mutter über alles. Er liebte sie , aber er konnte nicht mit ihr umgehen . Sie waren so unterschiedlich . Meine Mutter war eine sehr moderne Frau. Und mein Vater war, sagen wir nicht traditionell , aber der hatte schon eine Form und Norm und Linie , worauf sie sich bewegen musste , um in der Gesellschaftlich akzeptiert zu werden . Und sie sind auch in sehr unterschiedlichen Städten und Umgebungen aufgewachsen. M eine Mutter in Teheran , mein Vater im Norden und sie konnten nicht miteinander .

Und ich sage das, weil mein Vater hat meine Mutter unheimlich viel gelebt. Weil meine Mutter hat sich getrennt , hatte sich in einem Krankenhaus gemeldet als Krankenschwester und hatte Arbeit . Mein Vater wusste das . Und immer , wenn mein Vater mich mitnahm auf Reisen mit seinem großen LKW, waren wir einen Tag in Teheran . Ich habe nicht verstanden , als er mich zum ersten Mal nach Teheran mitnahm . W ir haben gestanden, stundenlang auf der Straße in irgendeiner Ecke .

Ich habe gedacht: Warum stehen wir hier s tundenlang? Ich bin müde . Was suchst du hier ? Und der hat gesagt: ich suche deine Mama! Guck mal , das ist deine Mama! Sie geht jetzt ins Taxi. Und sie guckte ihm sozusagen... Freute sich , nachdem er geguckt hat . Und ich interessierte mich nicht mehr für meine Mama. Ich habe geguckt: ja okay . Ja , ist sie, na und? Wir waren ja zurückgeblieben, aber er liebte sie , über alles, über alles .

Ja s o sind meine Eltern und so bin ich sozusagen in diesen Lernprozess als Kind gekommen , wo ich auch alles ernst nehmen musste . Das war mein iranisches Leben im Iran . Ich hatte die Schule, Schulaufgaben , die Geschwister, Essen machen. Und meine Großmutter ist sofort angesprungen, sofort . Also nicht freiwillig . Das war die Mutter von meinem Vater , meine Großmutter . Und die hat uns in den Arm genommen . Uns alle drei, danach. Nach der Revolution ich fühlte mich im Iran fehl am Platz .

Ich hatte auch Probleme, ich pendelte zwischen meinem Vater und meiner Mutter. Und ich habe eine Weile bei... Ja, m eine Mutter wollte mich haben nach - was weiß ich - einigen Jahren . Und erst wollte sie mich in die USA schicken , weil sie hatte eine sehr enge Freundin und sie kam nach Iran zu Besuch und sie wollte mich mit in die USA nehmen . In Texas war das damals. Dass ich dort studiere und dort weiter lebe und diese enge Freundin von meine Mutter mich auch adoptiert und mitnimmt. Und ich pendelte zwischen meinem Vater und meiner Mutter . Ich hatte keine feste Sitz im Iran . Meine Geschwister waren groß , sie hatten jeweils ihren eigene Stand und sie wussten , wo es langgeht und sie konnten klarkommen . Ich war nicht mehr verantwortlich für meine Geschwister .

W ie soll ich sagen? Durch Zufall , also weil ein Kumpel von mir , sein Vater war Pilot und ich war befreundet mit seinem Sohn. Und sein Sohn wollte aus Iran weg und der hat die ganze Prozedur mir erzählt .

Und ich hab auch gesagt: ich komme mit . Ich werde auch mitreisen . Ja und bin durch Zufall aus Iran weg und nach Deutschland gekommen, nach Westberlin . 1985 bin ich in Westberlin gelandet. 1985 interessierte sich die Politik der Bundesrepublik einen Dreck für uns . Wir waren sozusagen ein Stück Fleck auf der Landkarte. Viele Rechte gab es auch. Aber die haben wir ignoriert . Sie schauten mir auch direkt in die Augen und sagten: wir mögen dich nicht hier! Wir interessieren uns auch nicht für deine Geschichte .

Vor meine Augen im Ausländeramt, vor den Augen zweier Polizisten, wollte jemand sich durchdrängeln und hat mit dem Messer irgendwo jemanden verletzt . Und ich habe sofort der Polizei gesagt: Schauen Sie mal, der hat mit dem Messer jemanden angestochen . Da hat er gesagt: Das ist nicht meine Sache , das ist eure eigene Sache . Er muss selber klarkommen . Ich fühlte mich sehr schlecht . Man nahm in einem Container unsere Fingerabdrücke , alles was möglich ist von uns. Und wie ein Stück Lamm bekamen wir einen Stempel und dann wurden wir in die Gesellschaft geschmissen, in so ein Heim mit vielen anderen Kulturen , mit anderen Leuten , die ständig in diesem Heim gewalttätige waren . Und es gab wirklich gewalttätige Leute , die ihr Land verlassen mussten . Es gab Politiker , die ihr Land verlassen mussten . Neben uns waren auch die Bürger von damals, die DDR Bürger , die dort auch in diesem Heim wohnten. In Berlin, Heim Haspital. W ie gesagt , also wir wollten nicht als Mensch so behandelt werden. Wir waren so ein Objekt. Und sie verteilten uns so wie Lämmer: Du gehst dorthin , du gehst dahin , du bleibst da . Ich hatte großes Glück , dass ich mit drei Musikern zusammen in Vallendar gelandet bin, von Berlin aus . Vallendar war in Koblenz , Rheinland-Pfalz . Dort in einem ehemaligen Feuerwehrg ebäude , die als Wohnung umgebaut wurden. S ieben- Zimmer- Wohnung mit sieben verschiedenen Leuten . Wie gesagt , wirklich verschiedene Leute. Von Gewaltätigen , von Idioten , von Philosophen , von Politikern , von allen möglichen Leuten . Und dort durfte ich kein Deutsche lernen. Ich durfte nicht mal den Radius verlassen , wo meine Wohnung ist . Und ich konnte auch nicht viel kommunizieren , weil in Deutschland die Haupts prache deutsch ist . Voraussetzung der Kommunikation ist das Reden und ich konnte nicht reden . Mein Englisch war gut , aber wenn ich Englisch sprach , dann bin ich doch in einer a nderen Kategorie gelandet. Die Leute waren sofort freundlich zu mir und f ragten, woher ich komme. Und als ich gesagt habe Iran, manche haben Irland verstanden und haben sich gefreut . Ich sagte: Nein , nicht Irland, Iran! Und dann habe ich so eine Nase gemacht . Bah, Iran, wah, pfui. Dann waren sie weg . Dann habe ich mich gefragt: Warum m achen Sie das ? Ja , es war nicht angenehm, überhaupt nicht angenehm für mich . Wir hatten auch einen Nachbarn , einen älteren deutschen Nachbarn . Ich habe versucht , mit denen in Kontakt zu kommen. A ber ich habe acht Monate dort gelebt, wegen meinem Prozess . Und dann hatte ich meinen Termin: warum ich hier bin , wofür und welche Motivation ich hier habe. Das war in Nürnberg, d ieser Termin. Dort habe ich erzählt , warum ich hier bin. Und vier Wochen später bin ich ein anerkannter Asylant gewesen und habe einen Ausweis bekommen. S ofort an dem Tag, wo ich meinen Ausweis bekommen habe , bin ich wieder nach 8 Monate nach Berlin gekommen. Und in Berlin hatte ich niemanden . Aber ich wusste , das ist meine Stadt . Ich habe eine Flasche Sekt gekauft und an der G edächtniskirche gegenüber aufgemacht , getrunken auf mich und hab mich sehr geliebt. Ich war richtig stolz auf mich , dass ich wieder da bin , wo ich sein wollte .

Und dann habe ich gesagt: Okay Adel , jetzt wohin mit dir ? Wo willst du schlafen ? Na ja , Heim Hospitel , das war das einzige, das ich kannte in Berlin . Ich war im Heim Hospitel und ich habe ein paar Leute gesucht . Hab gesagt, ich habe keine Wohnung , aber ich bin anerkannt . Ich suche eine Unterkunft und jemand hat gesagt: Okay , du bist anerkannt . Kannst du uns erzählen , was du gesagt hast ? Ein Wohnung? Kein Problem! Essen? Was magst du ? Wir machen essen! Ich sage: Ja , okay . Er hat mich eingeladen in seine Wohnung , also im Heim Hospitel. Und ich durfte dort schlafen. Am nächsten Tag, als ich aufgestanden bin, sehe ich massenhaft Leute um mich herum und jeder wollte wissen: Was hast du gesagt , dass du anerkannt wurdest ? Das wollen wir auch sagen! E ine Woche oder so durfte ich dort bleiben . Und ich wusste , dass in der Uni waren viele Iraner waren .

Ich war bei der Uni , suchte Wohnung und habe auf Englisch einen Zettel geschrieben , dass ich eine Wohnung suche . In der Mensa war das, Hardenberger Str. Ich habe meine Zettel da angeklebt, war hoffnungslos, machte die Ausgangst ür auf und nehme meinen Kopf hoch und sehe ganz weit weg jemanden und dachte: Er könnte Iraner sein. E r kam näher und näher. Ich sagte: S alam. Es hat reflex mäßig geantwortet: Salam. I ch habe gesagt: Ja , mir geht's gut . Ich suche eine Wohnung. Sofort ohne, wie ich heiße . Nein , ich suche eine Wohnung . Ahhh, w eißt du , ich komme gerade von einer Familie , die nach Griechenland reisen möchten und sie lassen ihre Wohnung einen Monat frei , die man nutzen kann . Aber du musst deren Katze füttern . Ich sage: nur Katze? Sagt er ja. M ach ich sofort! Der hat mir eine Nummer gegeben . Ich habe angerufen und sofort war ich da . Und diese Wohnung , wo ich da war, das war keine Wohnung, das war eine Bibliothek .

Das einzige , was ich gesehen habe , nur das Dach war frei. Auf dem Boden, viele verschiedene Zeitschriften von der ganzen Welt. Die Wände konnte man nicht mehr sehen, überall Bücher . Und da sah ich: Ilka und ihr Mann und eine Katze . Und sie haben mich gefragt , wo ich herkomme , was ich mache , und sie haben mit ihr Vertrauen geschenkt und gesagt: Ab morgen kannst du herkommen . Wir gehen morgen und sie haben mir die Wohnungsschlüssel gegeben .

Das war im Prager Straße Nr. 2 , 2. Etage mit einem französischen Balkon . Das war wunderbar . Das war wunderbar , ich wohnte in Berlin in meiner eigenen Wohnung. Nicht eigene Wohnung! Für einen Monat eine eigene Wohnung . Ich habe es mir sehr bequem gemacht . Überall wo es Whiskey gab und so, ich habe mich begossen und getrunken . Ich kaufe ja , wenn sie kommen . Alles... Also Fenster aufgemacht , ich fühlte die Berliner Luft in dem Zimmer , wo ich einen Monat bleiben durfte .

Es war ein Traum . Ich glaube , es war wirklich ein Traum für mich in diesem einen Monat. Ja , in diesem Monat habe ich noch weitere Zimmer gesucht , bis ich in Schapers traße 15 ein WG-Zimmer bekommen habe . Und nachdem die Ilka und ihr Mann Eric zurückkamen aus Griechenland, haben wir die Schlüssel ausgetauscht , habe gesagt: Ich bin jetzt in Schaperstr. 15 und Ilka und Eric arbeiteten als Journalisten und Ilka hatte eine zweite Wohnung in einer WG , auch Sieben- Zimmer-W ohnung , auch massenhaft andere Journalisten, wohnten da .

Ich habe vor zehn Tagen gedreht , in der Straße , wo ich zum ersten Mal mit Vertrag gearbeitet habe. Und vor 10 Tagen wieder, durch das Fenster, in diesem Restaurant nach der Küche geschaut . Ich habe dort drei Jahre in diesem Restaurant gearbeitet , in 19 88 angefangen , dort zu arbeiten , in diesem Restaurant. Das war in der Meinekes traße , also in der Nähe von meiner Wohnung in der Schaperstr. Und von dort aus habe ich weiterhin ein Tons tudium gesucht .

Damals in den Achtzigerjahren , es gab es nicht Ton , dass man das studieren kann . Es gab nur in Nürnberg so einen Rundfunk , wo man eine Ausbildung bekommt . Und dann sollte man dort fünf Jahre arbeiten und erst nach fünf Jahren war man frei . Ich habe überall , also in Nord und Süd , in West Aufnahmeprüfungen gemacht, die für Ton waren . Ja 60 Leute , wir brauchen nur eine Person , damit ihr das wißt! 50 Leute , wir brauchen nur zwei Leute .

Ich hatte keine Chance! Und damals , ich sprach auch Englisch hauptsächlich und und Deutsch viel später , weil ... Wie gesagt , als ich am Anfang in Deutschland war , ich war entsetzt . Ich wollte nicht Deutsch lernen . Ich wollte weg von diesem Land . Es war für mich so eine Station , von der ich weiter gehen wollte und konnte mir nicht vorstellen , hier wieder zu wohnen und zu bleiben . Diese Entscheidung war ein Vallendar, in dieser kleinen Stadt , wo ich acht Monate bleiben durfte , nachdem ich in Berlin war .

Ich habe versucht wieder neu zu starten . Ich habe eine gute Deutschs prachkurs-S chule gefunden für Leute , die danach zur Uni gehen sollten . Und diese Sprachkurs-Schule war wie ein Beruf . Man musste acht Stunden jeden Tag hingehen , zwei, drei Stunden zu Hause Schulaufgabe und dann wieder jeden Tag und das auch für 12 Monate , bis man ein Zertifikat bekam . Und mit diesem Zertifikat konnte man weiter studieren . Welches Fach ?

Und ich war natürlich scharf auf Ton , wie gesagt hat es nicht geklappt , bis ich eines Tages... Habe ich irgendein Plakat gesehen School of Audio Engineer in Berlin Wedding, nächste sechs Monate offen und ich habe die Adresse angeguckt: Osramhöfe , ich war sofort da . Sechste Etage war das und ich habe gesagt... Es war volle Baustelle . Ich habe gesagt: Wo ich eurer Chef hier? Der hat gesagt: Ja , der Chef kommt um 11 Uhr , also er guckt und bleibt eine Stunde und geht wieder .

Wir haben nur eine Büro für ihn eingerichtet , alles andere bauen wir . Ich sagte , ich warte , bis euer Chef kommt. Und der Chef war da und ich habe gesagt: Ja , ich suche Ton, will ich studieren , ich suchen seit Monaten, N ord , Süd , West . Ja , wir machen in einem halben Jahr auf . Geh mal und komm in einem halben Jahr. Ich sage: Nein! I ch habe gar keine Geduld, in einem halben Jahr zu kommen!

Ich will jetzt heute , dass du mir eine Antwort gibst . Gib mir den Vertrag! In einem halben Jahr komme ich und dann s tudiere ich! Das war auch eine Privatschule und ich war sehr stur . Ich habe nicht locker gelassen . Er hat gesagt: Man, es ist ein Baustelle . Ich hab hier gar nichts, außer Badezimmer . Der hat trotzdem meine Papiere gesucht. Das waren die Aufnahmeprüfungsp apiere, ob ich derjenige bin. Jeder musste zwei Blätter Aufnahmeprüfung machen. Der hat mir diese Papiere in die Hand gedrückt, hat g esagt: Ja , geh in eine Ecke und mach! Wenn du 81 Prozent hast , dann können wir über den Vertrag reden . Ich sage: OK! Ich habe mir eine Stelle gesucht , wo kein Staub ist und habe angefangen auszufüllen, ganz bequem . Und dann habe ich gesagt: Ich bin fertig . Kannst du sehen , ob ich 81 habe! Dann hat er geguckt, dann kommt er zehn Minuten später und er hat gesagt: 92! Was willst du jetzt von mir ? Vertrag! Wir haben an dem gleichen Tag den Vertrag unterschrieben . Er hat gesagt: Du bist mein erster Schüler in meiner Klasse .

Keiner hat bis jetzt sich gemeldet . Ich sagte schon zu . Und so habe ich nach einem halben Jahr angefangen, Ton zu studieren. Ich arbeitete in Meinekes traße 22 in diesem Restaurant als Tellerwäscher , Kartoffelschäler und abends hatten wir von sieben bis zehn, zehn Uhr 30 Unterricht . Jeden Tag , zweieinhalb Jahre lang . Nach dem Studium, ich war sehr wild . Mein erster Job war beim ZDF . Ich habe mich beworben. Beim ZDF, leider damals - i ch weiß nicht , wie es heute ist - arbeiteten bestimmte Leute mit bestimmten Bedinungen - musste man haben , um dort zu sein .

Also offen um es zu sagen: D erjenige , der mich eingestellt hat , dachte , dass ich schwul bin . Weil ich war auch - damals in Berlin, du ziehts alles an, was du wolltest . Es war scheißegal , wer was denkt . Dadurch hat er mich eingestellt und ich war da und habe schon bemerkt , dass es andere Männer sind, Frauen sind auch anders und Männer und Frauen , beide sind anders. Ich fühlte mich als einziger , der nichts anders ist. Oder ich bin anders und alle anderen sind normal .

Auf jeden Fall, diese Atmosphäre war komplett da . Und ich war eigentlich finanziell sehr glücklich . Mega glücklich . Aber dafür habe ich nicht studiert , dass ich eine bestimmte Menü , also bestimmte Richtung und bestimmte Raum nur sein wollte . Und nach einem halben Jahr habe ich gekündigt beim ZDF . Und habe mit einer Band angefangen zu touren, eine ganze Oper. Und weil es mir gefallen hat, da noch mit einem Show-Mann, Peter Hille heißt er, mit ihm war ich in ganz Deutschland . Er war eine One-Man-Show . Er spielte Musik , Witze... Politisch, Keyboard , traurige Geschichten , lustige... Und ich habe angefangen sozusagen mich selber zu suchen in meinem Job , wo ich mich wohlfühle . In welchem Bereich.. Weil Ton ist vielfältig. Danach habe ich eine Anzeige gesehen , dass ein Theater sucht einen Tontechniker. Ich habe mich in diesem Theater beworben , das war in Pankow, B reite Straße 43 . Dort habe ich mich beworben und das war in der zweiten Etage .

Die haben gesagt: Leider haben wir jemanden , aber unten, das Ikaron Theater sucht auch eine Tontechniker . Das war der Intendant von dem Berliner Ensemble, C arlos Medina war das , der sich selbstständig gemacht hat . Der wollte nicht mehr im Berliner Ensemble arbeiten, der hat selbst ein Theater gegründet namens Ikaron Theater und suchte Personal . Da habe ich angefangen und meine größtes Projekt , das ich nie vergessen werde - und auch vom Tontechnik Bereich, war es eine große Herausforderung f ür mich - war Sommernachtstraum. Haben wir gedreht im Gelände des Tacheles . Das komplette Gelände gehörte uns und auf dem komplette Gelände sollte ein Soundsystem installiert werden . Ich habe 16 mega große Lautsprecher installiert im kompletten Raum. Mit über tausende , tausende , tausende Meter Kabel, die ich unter den Boden gegraben habe, bis dieses System funktionierte . Ich hatte mit diesem Sound die ganze Oranienburger Straße in meiner Hand . Jeder hat jeden Abend gehört und jeder wusste, welche Szene jetzt kommt . Selbst die Polizei war da, hat gesagt: leiser machen! Dann haben sie gesagt: Macht weiter, macht weiter! Das stimmt alles . Mach ihr weiter! Selbst da, keine Chance . D as war faszinierend . Wir hatten zwei bewegliche Bühne , auf denen die Schauspieler enden . Das war meine großer Erfolg da und ich habe in diesem Theater angefangen , mit ihm zu arbeiten . Ja , das war Ikaron Theater und danach habe ich dort 13 Jahre gearbeitet . Mein Job war das , dass der Regisseur wollte ganz , ganz viel probieren . Er hat auch im Berliner Ensemble eine ganze Menge Schauspieler gekannt, gute Schauspieler.

Seine Idee war , totale Anfänger und totale Profis auf die Bühne zu schmeißen und denen ein Thema zu geben , das die spielen sollten . Und ich bin derjenige , der über dieses Thema Sound herstellen musste: Bahnhof, Flughafen, auf der Straße . Ich musste den jeweilige Sound für diese Atmosphäre da rstellen und jeden Abend mischen . Er saß neben mir und wir schauten auf die Bühne , wie die Schauspieler spielten . Er war ein sehr emotionaler Mann . Er war mit viel Emotionen, so wie eine Bombe. Er ärgerte sich , warum diese Schauspieler , die sich professionell nennen , nicht spielen und die einfachen Leute , die das erste Mal auf der Bühne sind , die bewegen sich mehr . Sie sind mehr neugierig. Was passiert bei dir , was passiert? Und die durften auch nicht reden, nur mit Körperh altung und sozusagen , wie sie sich fühlen. Beispielsweise: Du hast acht Jahre deinem Mann nicht gesehen , deine Freundin nicht gesehen, ihr habt eine Fernb eziehung miteinander . Heute Abend kommt sie . In zwei Stunden wird sie auf dem Bahnhof ankommen und du wartest auf sie . Zwei Stunden wartest du auf sie . Zeig mir in diesen zwei Stunde , wie es dir geht . Nach acht Jahren zum Beispiel, euch noch mal sehen . Das war so ein Thema und wir machten Theater. Jeden Abend Premiere , dann Party und immer wieder , immer wieder . Und ich lernte auch unabhängig von meinen Job , den ich auch beherrschen konnte .

Ich lernte auch von Schauspielern , wie sie spielen . Es faszinierte mich immer . Ich lernte jede Nacht , als sie zum Beispiel ihr Thema bekamen: Wie spielen Sie dieses Thema? Dass ich auch verstehe , dass es dieses Thema ist. Und du hast gut gespielt. Also wie bewertet man das ? Ich habe sie ja beobachtet . Eigentlich, ich wollte auch spielen. Aber ich sage: Nein , nein , du, bleib da , wo du bist! Wenn ich meinen Kopf umgedreht habe und Carlos ärgerte sich immer: S chau Adel, immer fasste er mich an: Guck! Dieser Typ hat sich vor einer Woche bei mir beworben . Ich komme vom Broadway . Ich habe auf dem Broadway gespielt . Ich will hier bei dir spielen , weil du da da.... Zwei Stunden lang steht er in einer Ecke und bewegt sich nicht mal einen Schritt . Schau mal: Dieser Amateur , was soll ich machen mit dem ? Er ärgerte sich immer , weil sie taten - also ich weiß nicht , ob das Komplexe damals von Schauspielern waren - sie wollen nur zeigen: Schau mich an , wie groß ich bin! Schauspieler bin ich! Kennst du mich nicht? Und immer diese diese Position, Haltung... Ich ich habe das auch gesehen , ich war zwar nicht Fachmann , aber er erklärten mir immer: Das will ich! W arum spielen die das? Um ehrlich zu sagen , ich hatte Mitleid mit ihm und durch das Mitleid mit ihm, habe ich ihn verstanden, was er will. Dann habe ich ihn angefasst , wie er mich anfasst: Carlos, soll ich spielen gehen? Er war das erst Mal den ganzen Abend ganz ruhig . Keinen Piep hat er gesagt . Ich hatte, um ehrlich zu sagen.. Ich sage: Oh Scheiße , habe ich was Falsches gesagt ? Spielen ? Ja , ich spiel! Ich spiel, wie alle anderen spielen, habe ich gesagt . War ich schlecht, war es gut? W arum ist er nicht unruhig? Warum ist er still ? Ich kenne ihn nicht so. J a , wir machen weiter .

Nächster und nächster und nächster Abend, bis eines abends... Er hat mich von oben angefasst , auf meine Beine , hatte er gesagt: Adel! Geh spielen! Und ich fühlte mich so wie eine Pitbull , wo die die Leine losgelassen haben und BUHHHH. Habe mich wirklich in die Bühne geschmissen! Und alle anderen kannten mich als Tontechniker . Um Gottes willen! Was machte denn ER hier ? Sind irgendwelche Lautsprecher kaputt oder was? D rei Jahre als Schauspieler habe ich gespielt , drei verschiedene Stücke . Ich war fertig danach . Ich konnte nicht mal schlafen .

Ich habe angefangen , mit mir selbst zu reden . Ich kritisierte mich . Warum habe ich so gespielt ? Warum ? Ich konnte doch anders spielen . Warum habe ich das Thema so verstanden ? Ich konnte auch das auch so geben . Es war ein ständiger Kampf mit mir selbst . Wie gesagt , ich konnte ... Ich hatte gar keine ruhige Nacht . Und Carlos und alle anderen , auch die Schauspielkollegen, haben mich alle akzeptiert nach drei Jahren. Mit manchen haben wir gemeinsam auch drei Jahre die Stücke gemacht .

Wir waren in England. Haben wir Stücke im Shakespeare Haus präsentiert . Wir waren in Italien und in Palermo haben wir unser Stück auch durch Einladung präsentiert . Und wir hatten auch in Berlin ein Stück: Viva la Vida . Das war mein letztes Stück, bevor ich aufgehört habe. Und ich hab Carlos gesagt: Ich will weiter Ton machen! Können wir die Plätze wechseln? Weil er machte Ton , weil er hat auch von mir gelernt , wie ich den Ton mache , wie ich die Abende mische und Situationen .

Ich sagte: Tut mir Leid! Wollen wir wechseln? W arum Adel? Du machst das gut und so! Wir glauben an dich! Ich sage: Nein , ich bin ein Idiot geworden! Ich fühle mich... Ich bin wirklich ein Idiot . Ich rede mit mir selbst, ich schlafe nicht, i ch schwitze , ich stinke vor Nervosität . Ich kann mich nicht mehr selbst riechen . I n jedem Beruf, was ich bis jetzt gehabt habe , hatte ich ein Werkzeug und ich bin gewöhnt , ein Werkzeug in der Hand zu haben. Aber in der Schauspielerei nur meine Körper ist mein Werkzeug . Ich muss jeden Tag meditieren , weil ich habe es gelernt , auch dort. Wie macht man Meditation , Körper- Massage und Bewegungen und schamanische Bewegung. Zu sagen: heiß sein aufs Spielen und erst dann gingen wir auf die Bühne und dann spielten wir Situationen . Ich habe es aufgehört und weiter Ton gemacht . Ja , der Film interessierte mich auch sehr , aber ich hatte überhaupt keine Beziehung , weil am Theater war es so schön , dass man jeden Abend Feedback bekommt .

Man wusste schon , was man am nächsten Abend beachten muss und was nicht . Für sich selbst. Nicht für die Zuschauer oder das Feedback . Aber das Feedback war jeden Tag. Und im Film, es ist künstlich. Auch das Feedback , dan man bekommt bei der Premiere ist immer das gleiche: Klatsch, klatsch, klatsch, fertig. Aber das Feedback, was wir bei der Premiere bekommen war eher vom Team oder von uns intern . Es war nicht vom Publikum , die gesehen haben und geklatscht haben. Durch reinen Zufall, 2004 war das, ein Kumpel von mir , wollte Hilfe von mir . Er war Tonmeister , hat gesagt: I ch brauche Hilfe und so , ich habe ein Problem mit diesem Mikro und so. Ich war... Wirklich durch reinen Zufall war ich mit ihm am Filmset , habe ihm geholfen und es war eine wirklich eine... Wunderbare Schauspieler spielten mit in diesem Film , die sehr viel internationale Erfahrung gehabt haben und der Hauptdarsteller umarmte uns und: Komm Adel! Komm, was essen wir zusammen heute ?

Ich habe mich wieder wie in einer Familie gefühlt. Innerhalb von zwei Tagen, jeder wusste , wie ich heiße . Das hat mir sehr gut gefallen . Im Musikbereich ist sehr vieles stressig . Man bekommt auch viel Feedback , aber ich finde es sehr stressig . Ich als Tonmann , sozusagen die ganze Band sind nicht... In dem Moment , wo Zuschauer da sind, ist das eine Band . Aber für mich waren sie kleine Kinder. Kleine Kinder , die zu mir kommen: Adel! Kannst du meine Gitarre heute ein bisschen lauter machen ? Und der Bassist kommt an: Adel! Ich liebe dich - ein bisschen höher! Und der Gitarrist kommt und der kommt . Ich sagte zu allen: Ja , natürlich! Ich bin euer Tonmann , ich mach's . Aber ich mache meinen Job trotzdem , wie ich wollte , wie ich denke , das es richtig ist . Aber ich gab diese psychischen Vater- Gefühle diesen Leuten, so zu sagen . Ich bin da , keine Sorge! Im Film , ja , war dieser Stress weniger da , weil man war i mmer in einem Raum zusammen und man verlässt alle zusammen einen Raum und wieder ging man in anderen Raum und man zusammen alle in an einem Tisch .

Es hat mir gut gefallen und da meine Liebe zum Film war intensiv und habe da angefangen nur im Filmbereich zu arbeiten . Und seit 2004, ja genau, arbeite ich nur in der Filmbranche. Und darüber bin ich auch sehr glücklich . Sehr glücklich , weil dadurch konnte ich die ganze Welt umsonst bereisen. Und dadurch auch konnte ich in der ganzen Welt umsonst Freunde gewinnen . Und das ist eine große Chance für mich , dass ich fast überall in der Welt, kenne ich jemanden oder kenne ich jemanden, derjenige kennt jemanden , der mich dort auch integrieren kann , falls ich was weiß ich ein paar Tage in Brooklyn sein will .

Meine meinem eigenen Schlüssel in New York , Brooklyn , mein Haus aufmachen kann und reingehen kann und rausgehen kann . Das verdanke ich alles dem Film- Bereich , wo man auch sehr intensiv miteinander arbeitet und sehr intensiv - man liebt sich oder hasst sich auch . Ja und seitdem bin ich sehr glücklich . Ich habe nur einen einzigen Filmpreis gewonnen , auch durch Zufall . Wir haben in einer türkisch englischen Crew gearbeitet . Die Produktion war aus aus England und der Regisseur war aus der Türkei .

Und ich habe so wie ich immer sage, mein Ton-K onzept habe ich ihm beschrieben , was ich denke , was ich will . W ährend ich sprach , guckte er mich an , als ob ich ein Außerirdischer bin oder Klingonisch rede oder so. Er hat gesagt: Ich bin ganz ehrlich zu dir, Adel . Ich verstehe von Ton null. Mach alles, was du willst in diesem Film . Ich gebe dir komplette Freiheit. Und ich hatte auch einen Assistenten und gutes Equipment . Ich sagte: Okay , danke .

Genau in diesem Film, der "t he Translator" heißt, ich habe den beste Ton in einem Festival gewonnen . Ich wusste nicht , dass man auch für Ton Preise gewinnen kann. Aber seitdem bin ich sehr scharf darauf, meinen zweiten zu holen. J etzt habe ich Blut geleckt! Ja , seitdem arbeite ich im Ton- Bereich . Ich bin Film Tonmeister . Ich mache Postproduktion in der Filmbranche , Ton Editor , Ton Mischungen , Sound Supervisor. Der Beruf von einem Sound Supervisor ist es, bevor der Film überhaupt anfängt , dass man sozusagen den Traum von dem Regisseur , wie sie sich oder er sich gedacht hat , die Ton- Konzepte in Ihrem Kopf , die Sound Supervisor bringt sie auf das Papier oder auf dem Beispiele. Sozusagen derjenige , der fängt die Träume von dem Kopf des Regisseurs, nimmt sie heraus und stellt sie auf Papier... Und der die Form und Norm , die er dann noch zu Tonmeister und Ton Editor und Misch- Tonmeister geben sollte, weitermacht. Und weil ich Ton liebe, es ist nicht für mich nur am Set arbeiten und da noch meine Visitenk arte weiterzugeben . Ich wollte wissen , was passiert mit meinen Ton, bis er auf Leinwand kommt . Und da habe ich auch verfolgt, diese Berufe wie Sounddesign , Sound Editor und Ton- Mischungen seit Jahren , die ich auch jetzt auch selbst machen kann und mache ich auch bis heute . Bin sehr glücklich . Also durch meinen Beruf hatte ich viele Freundinnen . Das traurigste war das , dass ich im Club gearbeitet habe, das heißt Club , wo es Live-Musik gab. Und die Band, das war internationale Band und natürlich mit Internationale Band möchte man da noch in Backstage gehen, sich mit denen unterhalten , mit denen ein paar Bier trinken und so und. So bin ich jeden Morgen gegen 4 , 5 , 6 , macnhmal 7 Uhr total gestunken von Zigaretten und Joint und alles mögliche und war ich zu Hause bei meiner damalige Freundin. Und wir sahen uns an und sie musste weiter zu Arbeit gehen, zu ihrer Arbeit gehen. Und so haben wir eine Weile gemacht , aber das funktionierte nicht mit der Besitzung in dem Beruf , den ich gelernt habe. Das war sehr schwierig .

Meine längste Beziehung war zwei Jahre mit Monica und und sie weinte . Sie wollte , dass wir heiraten , aber es ging nicht . Es ging gar nicht , weil wir hatten sehr unterschiedliche Lebensstile , Leben Zeit auch . Ich wollte überhaupt nicht heiraten , in meinem Leben. Und meine erste Frau , als ich sie kennengelernt habe... Ich habe auch , muss ich dazu sagen , eine Zusatzausbildung als als Grafiker gemacht. In der Zeit , wo Computer und Laptop kamen, war jeder Tontechniker mit einem Programm installiert. Und damals war unser Beruf sozusagen - oder auch in den Neunzigern - e s gab wenig Live-Musik , immer DJs, immer Techno. Und sie brauchten zwei Schallplatten , Plattenspieler und es gab wenige live und so. Und da habe ich gedacht: Okay , warum studiere ich nicht Grafik und so? Weil es interessierte mich auch sehr Bild und Ton. I ch habe so eine Berufsausbildung als Graphiker gemacht , so zweieinhalb Jahre Mediengestalter von Design. In dieser Zeit hatte ich viele Fragen . Ich hatte auch in WGs gewohnt und einem russischen Mitbewohner habe ich gesagt: I ch habe unbedingt eine Frage und er hat mir eine Chat-Adresse gegeben und hat gesagt: hier sind nur die Designer , Grafikdesigner. Alles, was du an Fragen hast , kannst du hier stellen . Ich habe tatsächlich eine Frage gestellt und sofort war die Antwort da. Von dem Antwort da, von dem Antwort da . Eine von denen , die geantwortet hat , war meine Ex-Frau. Und wir haben uns kennengelernt durch diesen Grafik- Chat . Ich habe sie nach Deutschland eingeladen . Sie hat mich nach Nowosibirsk in Sibirien eingeladen , minus 50 Grad . Uff. Ich sagte: Nein , ich komme nicht wieder her , damit du weißt , wenn schon , musst du zu mir nach Berlin kommen.

Sie hat sich entschieden . Sie war in Berlin . Wir haben eine wunder , wunder, wunderschöne Tochter Sofia . Sie ist jetzt 15 Jahre alt , aber wir haben uns nicht gut verstanden und ganz friedlich haben wir uns getrennt. U nd bis heute haben wir eine sehr respektvolle Beziehung miteinander. Probleme... Finanziell... Einfach reden . Alles können wir miteinander. Danach war ich sehr depressiv , auch durch diese Scheidung , obwohl wir beide einverstanden waren , auch wegen Sofia , dass ich... Hin und her und in verschiedene Wohnungen ziehen musste .

Ja , ich war wie gesagt super traurig... Bis ich meine zweite Frau kennengelernt habe , auch durch Zufall. Wirklich, durch ganz reinen Zufall . Irgendjemand hat mich angerufen und hat gesagt: Adel , bitte kannst du unser WLAN installieren hier? Wir schaffen das nicht! Und ich habe Besuch bekommen aus der Türkei und ich muss unbedingt für sie das WLAN einrichten . Ich sagte: Okay , hast du doch Auto , kannst du mich abholen und dann gehen wir zu deiner Wohnung und ich richte das alles ein. Ja, ok, s ie war mit ihrer Mitbewohnerin bei mir in der Schaperstraße , hat mich abgeholt und ihre Mitbewohnerin sah mich total so an: W ie heißt du ? Ich sagte Adel! Wie alt bist du ? Ja, so viel. Wollen wir uns treffen? Ja , okay , ich fand sie sehr heiß . Erste Treffen , okay . Und ja , wir haben uns erstmal getroffen . Ich fand sie komisch . Sie fand mich komisch und sie fand auch es auch da , wo sie wohnt komisch . Ich sagte , ich wohne auch in WG .

Kannst du ein Zimmer... Wenn du dich dort nicht wohl fühlst, bei uns gucken , ob du dich dort vielleicht wohl fühlst. Sie hat eine Weile bei uns gelebt , bis wir uns nahe gekommen sind einander und wir liebten uns . Und ja , wir haben gemeinsam einen Sohn , der jetzt neun Jahre alt ist, Aria. Und ich bin sehr stolz auf ihn und auf Sophia . Aber leider mussten wir uns wieder trennen . Warum passiert es mir? Meine Mutter sagt: Du bist so ein Pechvogel , was Frauen betrifft . Und ich sage: Ja , was soll ich machen ?

Das habe ich nicht verdient . Aber es ist so , wie es ist . So sollte es vielleicht sein . Und heute habe ich sehr gute Beziehungen mit meinen beiden Frauen und mit meinen beiden Kindern. Und vor allem meine beiden Kinder miteinander haben eine super , super gute Beziehung . Jetzt bin ich glücklich . Bin ich glücklich , so wie es passiert ist... Bin ich glücklich . W ie gesagt , ich habe Erik und Ilka kennengelernt in der Zeit , wo sie mir einen Monat diese Wohnung zur Verfügung gestellt haben .

Okay . W ährend diesem einen Monat habe ich ein Zimmer gesucht in einer WG , in der alle Musiker waren , weil nebenan war die UdK damals... Eine Musikhochschule war das, ein sehr großes Gebäude voller Musiker. Schlüsselabgabe, nachdem sie aus Griechenland zurück waren, ich habe den abgegeben. Und ich hatte Schaperstr. 15 meine eigenes Zimmer . Ich muss sagen , dass ich , während ich nach Berlin gekommen bin , einen Hund gehabt habe in Koblenz , einen Schäferhund namens Joey. Und Joey habe ich meinen Nachbarn gegeben , habe ich denen auch erzählt , wenn ich in Berlin bin , wenn ich eine feste Wohnung habe , dann möchte ich wieder zurück kommen und diesen Hund wieder nach Berlin mitnehmen .

Und sie liebten diesen Hund Joey. Und Joey war irgendwie in dieser kleinen Stadt sehr bekannt . I ch kann mich erinnern, eines Tages kam eine Soldat mit Uniform und so und sagte: Wir wollen Joey von dir kaufen . Ich sagte: Wieso Joey? Es gibt massenhaft Schäferhund hier und wieso willst du meinen Hund kaufen? Nein , wir haben euch beobachtet wie ihr seid und s o.. Ich hatte auch zu dieser Zeit nicht viele Freunde . Ich war nur mit Joey und zwei , drei Musiker , die wir zusammen waren .

Wir hatten mit meinem Hund eine sehr intensive Zeit , also wir liebten den. Und ich sagte: Ja , okay , hast du eine Million D-Mark? Kannst kaufen , sonst diskutieren mit mir nicht darüber . Und er hat gesagt , ich kann dich verstehen . Ich habe keine eine Million D-Mark , aber ich kann dich verstehen . Er war weg. Und der Hund ist bei dieser Familie geblieben . Bis ich Schaper Straße 15 war ich sicher , dass dort meine Wohnung fest ist . Obwohl - es war nur ein kleines Bett darin , und vielleicht passte noch ein Tisch darein. M ehr aber nicht . Ich war zurück in Koblenz . Ich wollte meinen Hund holen. Diese Militärl eute haben sie von dem Nachbarn genommen , weil sie dachten, ich bin ja weg . Ja und ich frag den Nachbarn, die Nachbarn wollten nicht die Adresse geben. Ich habe Polizei gerufen und die Polizei hat geforscht. Ich bin sozusagen eine Woche, 10 Tage oder so musste ich durch Koblenz springen und bleiben . In dieser WG war das so , dass wir wöchentlich Miete bezahlen mussten. So wie in England , London .

Jede Woche mussten wir zahlen . Das war nicht monatlich . Ich habe 10 Tage meine Miete nicht bezahlt . Ich habe den Hund aufgegeben . Ich kam wieder nach Berlin, w eiß ich nicht... Um drei, vier Uhr nachts . Ich gehe in mein Zimmer , mache mein Zimmer auf und sitze auf meinem Bett und auf einmal j emand schreit! Ich sage: Verflucht noch mal , was machst du in meinem Bett ? Sagt er: Was machst du in meinem Zimmer ? Was ? Das Zimmer war weg! U nser netter Mitbewohner hatte es weitervermietet. I ch habe gesagt, meine einzige Chance ist , dass Ilka mir gezeigt hat , dass sie in Schaper Straße lebt .

Dort hat sie eine Sieben- Zimmer- Wohnung . Sie war auch quasi nicht da , weil sie war mit Erik zusammen . Jeden Tag musste sie Berichte schreiben für News, wie Time und überall mussten sie die hinschicken . N atürlich war ich bei Erik und bei Ilka und habe gesagt: Ihr beide! Ich fühle mich so... Ich bin wohnungslos und Ilka hatte gesagt: Es ist kein Problem . Bei uns ist es ja frei und frag mal , Jürgen. Jürgen Räuschel war das . Ich vergesse den Namen nicht. Der war ein sehr gute linker Journalist. Und dann war ich bei ihm .

Er hat gesagt: Adel, kein Problem! Wir sind jetzt zu viert hier und Ilka ist ja auch nicht da . Ilka hat ja eine Drei -Zimmer-Wohnung dort. Und eines dieser Zimmer durfte ich benutzen , bis ich eine Wohnung finde . Ein Monat , zwei Monate , zwei Monate , halbes Jahr und dann ein Jahr . Und ich bin weiter dort geblieben , weil... Es war wirklich frei... Und ich mit zwei , drei Journalisten , war ich da und Ilka kam ab und zu mal zum chatten und so.

Ja, so habe ich Ilka kennen kennengelernt, in dieser Wohnung. Ein paar Jahre später war ihr Mann tot . Ja , er hatte Asthma, Erik, und war tot . Und da habe ich Ilka geholfen, das Zimmer von ihrem Mann auszuräumen und die Bücher und so alles . Und sie musste in ihre Wohnung, um weiter in ihrer Wohnung zu wohnen in Schaper Straße 35. Und so haben wir alle ganz wohl jahrelang gelebt und jeder hatte seinen eigenen Bereich und Freiheit .

Ja , so waren wir immer wieder zusammen . Ich hatte damals auch Freundinnen und so. Ilka war für mich wie eine Figur aus meine Kindheit, meine Großmutter, die mich gepflegt hatte . Sie war auch genauso so lieb zu mir immer. Immer vorsichtig , immer lieb , so wie ein klein kleiner Sohn. Und ich auch zu ihr . Bis eines Tages... Ilka trank gerne Wein und sie ist in ihrem eigenen Zimmer umgefallen . Und überall sah ich Blut an den Wänden, überall .

Ich habe sofort den Krankenwagen gerufen. Und in dieser Zeit , Ilka und ich , wir fühlten uns wie eine Familie , wir entschieden alles zusammen . Und dann waren diese Journalisten , einer nach dem andere weg . D iese ganze Sieben- Zimmer- Wohnung hatten nur ich und Ilka zusammen . Und wir hatten auch so Studenten . So vor allem, UdK war gegenüber von uns, v ermietet. Und ich hatte mit meiner Freundin eine Zweieinhalb- Zimmer- Wohnung und da noch mit meiner Frau, mit meiner ersten Frau auch eine Zweieinhalb- Zimmer- Wohnung. Und an dem Tag , als dieser Unfall passierte, selbstverständlich auch mit dem Krankenwagen wollte ich hin... Und keine Socken und gar nichts... Auf der Straße war ich voll im Schock und ich kletterte in den Krankenwagen rein . Sie sagten: Nein , nein , nein , sie kommen nicht mit! Weil sie sind kein Angehöriger , nur der Angehörigen dürfen . Und wir dürfen dich nicht mal informieren , in welchem Krankenhaus sie ist und wo was.. I ch sah nur die Krankenwagen wegfahren. Und schon damals ... Ich fühlte mich, als wäre sie meine Mutter . Ich musste aufpassen auf sie , Verantwortung habe ich ihr gegenüber! 10 Tage später.. . 10 Tage lang wusste ich nicht , ob sie lebt , weil überall auf dem ... Es waren d iese drei Rippen hier gebrochen und eine Rippe da gebrochen . Sie ist einfach besoffen auf den Glastisch gefallen. Und der Glastisch war gesprungen und auf ihren Körper.. . Nach 10 Tagen haben wir uns entschieden , dass sie mich adoptiert. Als ihr Kind , damit ich auch Rechte habe, falls ihr und falls mir auch was passiert , weil ich war auch alleine. Wenn auch mir was passiert ... Ich hatte keine Angehörigen , die entscheiden durften , falls ich bewusstlos bin und selbst nicht entscheiden könnte . Sie hat mich also als Kind adoptiert und es lief eigentlich sehr schnell und sehr sehr einfach . Wir haben uns angemeldet , Anwalt genommen und so. Der Anwalt hatte Termine gemacht und wir waren zu Interviews, warum wir wollen , weil wir seit 85 zusammen wohnen und es ist diese Geschichte passiert .

Ich habe keine Rechte , sie ist meine Mutter . Ich fühle mich verantwortlich ihr gegenüber und sie sich auch mir gegenüber verantwortlich . Relativ ... Also innerhalb von drei Monaten war alles erledigt und ich war offiziell ihr Kind. Und seitdem wohnen wir zusammen und seitdem werde ich auch mehr aufpassen, als vorher. Ja also , wir sind jetzt . Also was Ilka betrifft , sie ist offiziell meine Mutter , ich bin ihr Sohn. Und sie hat auch meine leibliche Mutter, sie kommt auch, sie versteht sich mit Ilka fantastisch. Fantastisch! S ie war den ersten Abend in Berlin, meine leibliche Mutter. Und mit Ilka - glaubst du mir nicht! Sie waren in der Disco . Sie kamen um 4 Uhr morgens , 6 Uhr morgens besoffen . Beide . Sie fühlten sich beide wie Teenager , die sich gefunden haben . Und Ilka suchte für meine Mutter einen Mann oder Freundin und der suchte das für die... Sie haben sich so pudelwohl gefühlt und verstanden und meine leibliche Mutter natürlich besucht mich ab und zu mal , wie sie kann, hier in Berlin .

So bin ich super glücklich , habe ich zwei Mamas .

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Adel

Der 58-jährige Iraner Adel kam nach der Revolution im Iran als junger Mann nach Deutschland. Hier entdeckte er seine neue Leidenschaft und wurde Film-Tonmeister. In seinem Leben war es oft turbulent: unterschiedliche Jobs, neue Beziehungen. Die enge Verbindung zu seiner deutschen Adoptivmutter ist für ihn dabei immer wichtige Konstante in allen Veränderungen in seinem Leben.

Das Interview mit Adel wurde durchgeführt von: Sadaf Farahani, Fotos: Sadaf Farahani und aus dem Archiv von Adel, Audioschnitt: Ramin Parvin, Transkript: Julia Michael, Happy Scribe.

Die Geschichte von Adel wird am 23. September 2021 um 15.30 Uhr im Rahmen von „10+1 Lebensgeschichten im Stadtraum“ als immersive Performance von Fred Gehrig unter Mitwirkung von Adel selbst am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg aufgeführt.

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